Das gelbe Metall ist so gefragt, dass Banken nicht mehr liefern können.
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«Leben wie Dagobert Duck. Wer hat noch Räume zum Lagern von Gold zu vermieten?» Diesen zum Teil im Spass, zum Teil im Ernst gemeinten Hilferuf stiess vorgestern ein Verantwortlicher der Zürcher Kantonalbank aus. «Unsere Goldtresore quellen über», bestätigt Sprecher Urs Ackermann. Man habe kürzlich bei Dritten Tresore zugemietet. «Doch auch die sind jetzt voll.»
Hintergrund ist eine überwältigende Nachfrage nach so genannten Exchange Traded Funds (ETF) für Gold. Das sind Wertpapiere, die so viel wert sind wie echtes Gold. Ihr Kurs klettert mit dem Goldkurs hinauf und hinunter. Für jeden Anteil, den die Bank an Kunden verkaufen kann, muss sie Gold an Lager legen. ETF werden wie Aktienfonds als Sondervermögen der Bank geführt und unterliegen nicht der Konkursverwertung. Das heisst, selbst, wenn ein Finanzinstitut Pleite ginge, wäre der Wert des ETF-Anteils mit Gold gedeckt und müsste herausgerückt werden.
Schmelzereien kommen nicht nach
Der Kauf solcher ETF-Anteile sind für auf Sicherheit bedachte Kunden zurzeit der einzige Ausweg, um Edelmetalle sofort zu erhalten. Denn wer grosse Mengen physisches Gold anfordert, muss mit langen Wartezeiten rechnen. Ein Edelmetallhändler klagt, der Markt sei ausgetrocknet, und es sei mit Wartefristen von bis zu sechs Wochen zu rechnen. Geliefert wird das Gold von Raffinerien, die auch Altgold zu Barren verarbeiten. Die wichtigsten heissen Metalor in Neuenburg und Valcambi im Tessin.
Ein institutioneller Anleger, der nicht genannt werden will, hat ein halbes Jahr gewartet, bis ihm sein Kauf auf seinem UBS-Edelmetallkonto in dreistelliger Millionenhöhe auch wirklich ausgeliefert wurde. Selbst wer nur Tausende Franken sichern will, hat kaum Chancen. Dies zeigt der Augenschein vor Ort. Bei der Hauptfiliale der ZKB an der Bahnhofstrasse sagte die Beraterin am Schalter, es gebe «einen richtigen Ansturm» auf Goldmünzen und Barren. Aber auf das im Tresor überquellende Gold darf sie nicht zurückgreifen. Auf die Frage, was noch da sei, zeigte sie Krügerrand-Münzen und vier bis fünf Goldvreneli. Ein Krügerrand kostet rund 1100 Franken und ein 20-Franken-Vreneli rund 210 Franken. «Es gibt auch noch ein paar 50-Gramm-Barren», sagte die Mitarbeiterin. Kanadische Maple-Leaf-Münzen seien aber keine mehr da, auch keine 100-Gramm- oder 1-Kilo-Goldbarren, die zurzeit 33’000 Franken kosten.
Die UBS hat Goldmünzen am Lager
Da gibt es noch die UBS, die weitaus grösste Händlerin von physischem Edelmetall in der Schweiz. Am Sitz an der Bahnhofstrasse befindet sich neben dem Haupteingang der kleine Raum «Gold & Numismatics». Beim Eintritt war ein Angestellter hinter einem Schalter mit dem Zählen eines grösseren Haufens Goldvreneli beschäftigt. Auf das Anliegen, man möchte für 15’000 Franken Krügerrand oder Maple Leaf kaufen, sagte er, der Wert entspräche 15 Münzen. Dann zog er an einer Schublade und sagte: «Die haben wir.»
Günstig sind die Goldmünzen aber nicht: Beim Goldvreneli ist ein Aufpreis von über 8 Prozent, beim Maple Leaf rund 6 Prozent zu bezahlen. Am günstigsten sind südafrikanische Krügerrand mit einem Aufpreis von knapp 5 Prozent. Angesichts der Verdoppelung des Goldpreises innert dreier Jahre sind diese Aufpreise aber ein Klacks. Die Verfügbarkeit ist das Thema, selbst im benachbarten Ausland: Wegen der starken Nachfrage infolge der Finanzkrise gehe «in Deutschland nun das Gold regelrecht aus», schrieb «Spiegel online» und zitierte eine Mitarbeiterin des führenden Edelmetallhändlers Pro Aurum, ihr Haus sei durch die vielen Anrufer «lahmgelegt», und die Lager seien leer.
(Tages-Anzeiger)