Von solchen Garantien können Versicherte von Pensionskassen ihrer Arbeitgeber nur träumen. Sicher ist nichts mehr. Laut einer letzten Umfrage befinden sich 60 Prozent aller Kassen in Unterdeckung. Das heisst, sie können die Renten- und Sparversprechen nicht einhalten. Je mehr sie ins Minus geraten, desto härter sind die Sanierungsmassnahmen. Sie reichen von Negativverzinsung über Zuschüsse der Arbeitgeber bis zu Lohnabzügen.
Den Hintergrund bilden ganz unterschiedliche Anlagestrategien. Die Pensionskassen setzen zu einem Drittel ihrer Anlagen auf risikoreiche Hedge-Funds und Aktien. Mit Letzteren liess sich in den 90er-Jahren gut verdienen. Doch in diesem Jahrzehnt brachten sie die Vermögen kaum vorwärts. Zuletzt sind die Aktien- und Fondswerte abgestürzt. Nach acht Jahren schaut eine Rendite von jährlich 1,3 Prozent heraus. Anders die Versicherer. Sie legten defensiv an, im Durchschnitt 3 bis 5 Prozent in Aktien, ebenso wenig in Hedge-Funds, aber viel in Obligationen und Immobilien. Letztere rentierten mit 4,5 bis 5,5 Prozent. Deshalb wird für die Versicherten 2008 im Schnitt eine positive Rendite herausschauen – geschätzt ein Prozent. Die Zurich hat es vorgemacht: Auf ihr Kapital von 185 Milliarden Franken verdiente sie im Krisenjahr ein Prozent.
Kein Geld mehr für Zinsen
Die langjährige Performance bildet den Rahmen für die Verzinsung. Kassen können in schlechten Jahren von den Reserven zehren und Zinsen zahlen. Bei vielen ins Minus geratenen Kassen wird dies nicht mehr möglich sein. Sie werden zu Minderverzinsungen greifen. Fachleute schätzen, dass der Durchschnitt 2008 2 Prozent betragen wird. Unter dem Strich schaut für die Pensionskassen jährlich 0,2 Prozent weniger Zins heraus im Vergleich zu den Versicherungen.
Die Stiftungsräte der Gewerblerkasse Proparis freut das. Ihre 130'000 Versicherten, darunter Uhrmacher, Drogisten, Gärtner und Mechaniker, legen ihr Geld bei einem Pool von Versicherern an. «In fetten Börsenjahren wurden wir für unsere konservative Politik belächelt», sagt Geschäftsführer Erhard Burri. «Heute gehören wir zu jenen Kassen, die ihre Verpflichtungen jederzeit und uneingeschränkt erfüllen.»
Kritiker des Vergleichs monieren, dass Versicherer tiefere Renten versprechen. «Geringere Renten heisst, es bleiben mehr Mittel für höhere Zinsgutschriften», sagt Herbert Brändli von der unabhängigen Kasse Profond. Lebensversicherer haben lange Zeit auch viel zu hohe Verwaltungskosten kassiert – Geld, welches den Versicherten abging. Und schliesslich wird eingeworfen, dass der Vergleich anders ausfiele, würden die 90er-Jahre einbezogen. Boomende Aktienbörsen führten damals zu einer Vervierfachung der Aktienwerte und begünstigten Pensionskassen. Doch jetzt sorgen die als «dritte Beitragszahler» bezeichneten Börsen für Verluste.
(Tages-Anzeiger)