SBB will 350 Stellen streichen

Von Niklaus Bernhard . Aktualisiert am 20.11.2009
Im Infrastrukturbereich der SBB wird derzeit an einer Neuausrichtung gearbeitet. Der Reorganisation sollen bis zu 350 Vollzeitstellen zum Opfer fallen. Die Eisenbahngewerkschaft SEV fordert einen Stopp.
Trotz mehr Arbeit will die SBB im Bereich Infrastruktur zwischen 300 und 350 Stellen abbauen. Bild: KEYSTONE/AP

Die über 9000 Mitarbeitenden bei der SBB-Division Infrastruktur stehen vor einer riesigen Reorganisation. Seit einigen Monaten laufen bei der SBB die Projekte «Infrastruktur 2014» und «Best Infrastruktur Overhead» auf Hochtouren – angeführt vom neuen Infrastruktur-Chef Philippe Gauderon. Schon im April hat er angekündigt, dass die Division Infrastruktur– die vor allem für den Unterhalt und die Erneuerung der SBB-Bahnanlagen zuständig ist – zu bürokratisch organisiert sei.

6000 Mitarbeiter betroffen

In den vergangenen Wochen sickerte nun allmählich durch, was der Totalumbau alles beinhaltet. Laut Informationen der Eisenbahnergewerkschaft SEV werden 6000 Mitarbeitende von der Umstrukturierung betroffen sein. Im Bereich der Verwaltung sollen von den rund 1200 Stellen zwischen 300 und 350 Vollzeitstellen gestrichen werden. Zudem kommt es zu zahlreichen Arbeitsortverschiebungen und Stellenprofiländerungen. Bereits im nächsten Jahr will die SBB mit der Umsetzung beginnen.

Mit dem Projekt «Infra 2014» könnten ganze Führungsebenen in der Division Infrastruktur wegfallen, und mit «Best Infrastruktur Overhead» sollen jährlich 60 Millionen Franken eingespart werden – 50 Millionen davon beim Personal.

Diese Zahlen wurden von der SBB gestern bestätigt. Der Stellenabbau erfolge gemäss dem geltenden Gesamtarbeitsvertrag (GAV), es gebe keine Entlassungen. Davon nicht betroffen seien direktproduktive Stellen wie beispielsweise im Betrieb oder beim Unterhalt, wie SBB-Sprecher Reto Kormann sagt.

Fehlende Gesamtsicht

«Wir haben die Übersicht über die Projekte verloren, und wir wissen nicht, was uns erwartet», kritisiert SEV-Sprecher Peter Moor. Im Projektnamen stehe das Jahr 2014, aber bereits jetzt werde mit der Umsetzung begonnen. «Das macht uns skeptisch», sagt Moor. Der SEV fordere deshalb einen Stopp der Reorganisation, bis die SBB eine Gesamtsicht vorlege.

Ironischerweise fordert die SBB momentan vom Bund eine zusätzliche Milliarde Franken für die Infrastruktur, um nötige Unterhaltsarbeiten nachzuholen (siehe Text unten). Zudem sind zahlreiche Neubauten geplant. Dies würde eigentlich darauf hindeuten, dass die SBB in diesem Bereich tendenziell mehr Mitarbeiter benötigt als weniger. Doch: «Die finanziellen Mittel von Bund und Kantonen sind beschränkt. Auch die SBB will und muss dazu ihren Beitrag leisten und intern Kosten, wo immer möglich, reduzieren», rechtfertigt Kormann die Massnahmen. Gerade bei den bürgerlichen Politikern könnte diese Aussage gut ankommen, denn schliesslich wird das Parlament über die SBB-Milliarden entscheiden.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 20.11.2009, 08:59 Uhr

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