«Die Credit Suisse siegt über die UBS»

Interview: Claudio Habicht . Aktualisiert am 26.02.2009
Auf den neuen UBS-Chef Oswald Grübel wartet eine schwierige Aufgabe: Sollte es ihm nicht gelingen, die Glaubwürdigkeit der UBS wieder herzustellen, droht das Aus. Das sagt Firmenberater Bernhard Bauhofer.
topelement Verschiedene Kundenberater sollen Gelder von der UBS zu anderen Banken gebracht haben, nachdem die USA 2008 gegen die Bank Ermittlungen aufgenommen hatten. (Bild: Banker am Paradeplatz) Mehr Bilder (14)

Die UBS hat eine schwarze Woche hinter sich: Die Grossbank lieferte Kundendaten an die USA aus, ihre Aktie fiel zeitweise unter 10 Franken, die Konzernspitze wurde ausgewechselt. Kann die UBS ihre Glaubwürdigkeit noch retten?
Die UBS wird ihre Probleme nicht von heute auf morgen lösen. Es zeigt sich, dass das System UBS nur in guten Zeiten funktionierte. Solange die Aktienkurse stiegen, wollte niemand die Grossbank hinterfragen. Doch jetzt, wo die Märkte nach unten gehen, tauchen an verschiedenen Stellen Problemherde auf. Wie schlecht es um die UBS steht, zeigt sich im Abfluss von Kundengeldern sowie dem Verlust der besten Mitarbeiter. Darum muss das neue Management um den ehemaligen Credit-Suisse-Konzernchef Oswald Grübel mit der Ära seiner Vorgänger aufräumen und die Altlasten ausmisten.

Ist Grübel der lang ersehnte Retter in der Not?
Ein neuer unbelasteter Konzernchef kann enorm viel bewirken. Grübel ist in der Branche bekannt, sein Wort gilt. Zudem hat er einen entscheidenden Vorteil: Er ist schnell. Und Geschwindigkeit ist in der jetzigen Situation der UBS überlebenswichtig. Einerseits muss er drastische Massnahmen wie Entlassungen fällen, andererseits muss er das Vertrauen wiederherstellen, denn bei der UBS ist das Arbeitsklima im Moment ganz schlimm.

Ein ehemaliger CS-Chef soll die UBS auf Vordermann bringen?
In der Tat: Das ist ein historischer Anlass. Die ewig zweitplatzierte Credit Suisse siegt über die UBS. Das zeigt, dass das System UBS offensichtlich an ein Ende gekommen ist.

Was genau muss die UBS jetzt tun?
Zuerst muss sie Herr der Lage werden. In den letzten Jahren hat die Bank immer nur auf Probleme reagiert, diese aber nie wirklich angegangen. Die Konzernspitze muss Versprechen, die sie abgibt, auch einhalten. Ansonsten ist die Glaubwürdigkeit nicht wieder herzustellen. Dass man ein Manager im Pensionsalter mobilisiert, zeigt, dass es zu den traditionellen Werten zurückgeht. Das schafft Vertrauen.

Was, wenn das der UBS nicht gelingt?
Dann gibt es nur noch eine Lösung: die Verstaatlichung. Das Glanzunternehmen, das die UBS lange war, wäre dann allerdings tot. Die UBS wird darum nicht um eine massive Redimensionierung herumkommen. In fünf Jahren wird die Bankenlandschaft in der Schweiz komplett anders aussehen.

Lässt sich die Marke UBS, wie wir sie kennen, überhaupt noch retten?
Die UBS muss gegenüber ihren Kunden, Mitarbeitern und Aktionären eine klare Linie fahren und offen kommunizieren. Dann ist die Chance da, dass die Grossbank in drei bis vier Jahren wieder profitabel arbeiten wird. Doch eines ist klar: Die UBS wird nie mehr zur alten Grösse finden.

( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )

Erstellt: 26.02.2009, 15:26 Uhr

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