Eine runde Viertelstunde dauert die Auktion jeweils ab 9.30 Uhr. Dann haben die Geldmarktspezialisten der Schweizerischen Nationalbank (SNB) 10 Milliarden Dollar an jene Geschäftsbanken zugeteilt, die bei der Auktion Gebote abgegeben haben. Seit Mitte September wiederholt sich das Prozedere täglich, denn seither bietet die SNB solche Repo-Auktionen in Dollar auch mit einer Laufzeit von einem Tag («overnight») an.
Repo-Auktionen in Dollar mit längeren Laufzeiten von 28 und 84 Tagen veranstaltet die Nationalbank bereits seit Dezember 2007. Damals schlossen sie und die Europäische Zentralbank ein Swap-Abkommen mit der US-Notenbank, um die erforderlichen Kurzfrist-Dollars für die Dollar-Auktionen zu bekommen. Damit reagierten die Währungshüter auf die wachsenden Probleme der Banken in Europa bei der Beschaffung von ausreichender Dollar-Liquidität. In normalen Zeiten können sich die Banken die benötigten Mittel kurzfristig auf dem Interbankenmarkt borgen, doch mit Fortdauer der Kreditkrise erwies sich dies als immer schwieriger. Mittlerweile sind die Interbankenmärkte weitgehend ausgetrocknet, weil die Kreditinstitute einander nicht mehr trauen.
Deshalb müssen die Notenbanken mit – immer grösseren – Liquiditätsspritzen in die Bresche springen. Hatte das erste Swap-Abkommen der SNB mit der US- Notenbank ein Volumen von 12 Milliarden Dollar umfasst, so ist dieses erst Anfang Woche von 30 auf 60 Milliarden verdoppelt worden.
Tausche Geld gegen Wertschriften
Wie schleust nun die Nationalbank die 60 Milliarden Dollar ins hiesige Bankensystem? Im Grunde geschieht dies in gleicher Weise, wie die SNB die Banken mit Schweizerfranken versorgt: mittels Repo-Auktionen. Bei einem Repo-Geschäft gibt die SNB Liquidität an eine Geschäftsbank und erhält dafür ausgewählte Wertschriften mit hoher Bonität als Sicherheit. Zudem muss die Bank für die Liquidität einen Zins in Höhe des Repo-Satzes bezahlen.
Für die Auktion hat die Nationalbank zwei Verfahren zur Wahl. Sie kann einerseits den Repo-Satz fixieren, und die Banken geben Gebote für das gewünschte Liquiditätsvolumen ab, ohne zu wissen, welches Gesamtmenge die SNB zuteilen will. Deshalb spricht man hier von einem Mengentender. Übersteigen die Gebote der Banken das von der SNB angestrebte Zuteilungsvolumen, werden die eingegangenen Gebote proportional gekürzt.
Das Gegenstück ist der Zinstender: Die Bank weiss vor Beginn der Auktion, welches Liquiditätsvolumen die Nationalbank zuteilen will, aber sie weiss nicht, zu welchem Zinssatz die Zuteilung erfolgt und ob sie mit ihrem Gebot die von ihr gewünschte Liquidität ganz, teilweise oder gar nicht erhält. Während die Franken-Auktionen als Mengentender abgewickelt werden, kommen bei den Dollar-Auktionen Zinstender zur Anwendung. Letztere haben aus Sicht der SNB den Vorteil, dass sie aus den Zinsgeboten der Banken genauere Rückschlüsse auf die Verfassung der Geldmärkte ziehen kann.
Die Auktion erfolgt über die elektronische Handelsplattform Eurex Repo. Zu Beginn des Verfahrens lässt die SNB den teilnehmenden Banken eine Interessensbekundung zukommen, in denen sie die Tender-Bedingungen vorgibt. Dann haben die Banken bei Dollar-Auktionen etwa 15 Minuten (bei Franken-Auktionen 10 Minuten) Zeit, um ihre Gebote abzugeben.
Beim gestrigen Zinstender mit eintägiger Laufzeit, für den die Nationalbank wie üblich 10 Milliarden Dollar bereitgestellt hatte, gingen Gebote über insgesamt 13,2 Milliarden ein. Der tiefste Zinssatz (marginaler Zinssatz), zu dem die SNB nur noch 58 Prozent der Gebote zuteilen konnte, lag bei hohen 3,02 Prozent. Der mit dem Volumen gewichtete Durchschnittssatz stieg gar auf 5,1 Prozent – während sich dieser Satz in einem normalen Umfeld am US-Leitzins von derzeit 2 Prozent orientiert.
Rückgriff auf Kundendepots
Die SNB überweist die Liquidität an die Bank nur bei Lieferung der als Sicherheit dienenden Wertpapiere. Diese werden zudem alle 12 Stunden neu bewertet, um das Deckungsrisiko für die Nationalbank möglichst gering zu halten. Das gilt vor allem mit Blick auf Wertschriften, die nicht auf Schweizerfranken lauten.
Bei den zu hinterlegenden Wertpapieren greifen die Banken regelmässig auf Bestände in den Kundendepots zurück. Allerdings müssten die Kunden dazu ausdrücklich ihre Einwilligung geben, betonte der Sprecher der UBS, Serge Steiner. Zudem kämen dafür überhaupt nur grosse institutionelle Kunden in Frage.
(Tages-Anzeiger)