Die grössten Lecks im Finanzsystem mögen gestopft sein, die Weltwirtschaft hingegen ist noch lange nicht über den Berg. Diese Erkenntnis breitet sich rund um den Globus aus. «Die Vereinigten Staaten und viele andere wichtige Volkswirtschaften müssen sich auf eine qualvolle Tour durch ein wirtschaftliches Fegefeuer vorbereiten, eine Tour, die viele Monate dauern kann», warnt die «New York Times». Zu den anderen Wirtschaften gehört auch die Schweiz. Das haben Bundesrat und Nationalbank erkannt und wollen den Banken mit Milliarden von Franken unter die Arme greifen. Dafür haben sie gute Gründe:
Im Vordergrund steht die Erkenntnis, dass kein Staat diese Krise im Alleingang zu lösen kann. In Europa ist ein kleines politisches Wunder geschehen: Die EU hat sich auf ein gemeinsames Vorgehen geeinigt und den Rettungsplan der Briten übernommen, der eine Rekapitalisierung der Banken vorsieht. Das hat Wirkung gezeigt. Die USA sind ebenfalls auf diesen Kurs eingeschwenkt. Das ist ein grosses politisches Wunder.
Für die Schweiz gibt es keine Gratismahlzeit
Die Schweiz hat zunächst geglaubt, sie könnte einmal mehr Trittbrettfahrer sein. Der ursprüngliche Rettungsplan der Amerikaner hatte nämlich vorgesehen, auch den «toxischen Abfall» von UBS und CS zu entsorgen. Daraus wird nichts. Es gibt auch für die Schweiz diesmal keine Gratismahlzeit. Sie muss das Vertrauen in die Grossbanken selber wieder herstellen. Deshalb hat sich der Bundesrat entschieden, ebenfalls die britische Lösung zu übernehmen.
Das man diese Banken um jeden Preis wieder vertrauenswürdig machen muss, ist die Lehre aus dem Kollaps von Lehman Brothers. Der Bankrott dieser Wallstreet-Bank hat derart katastrophale Folgen für das Finanzsystem gehabt, dass kein vernünftiger Mensch auch nur daran denkt, dieses Experiment zu wiederholen. Das bedeutet auch: Es gibt keine Alternative zu den Milliardenspritzen für die Banken.
Die wildesten Hedgefunds-Manager erbleichen
Starke Banken sind derzeit von grösster Bedeutung für die Volkswirtschaft. Die Weltwirtschaft wird in eine Rezession geraten, keine Frage. Es wird ein rauer Wind wehen. «Die letzten Daten lassen vermuten, dass die US-Wirtschaft in die schlimmste Rezession seit den 80er-Jahren fallen wird», schreibt das «Wall Street Journal». Die Börse hat bereits mit kräftigen Kursverlusten reagiert. Und die These, dass sich die Weltwirtschaft auch ohne USA behaupten kann, ist inzwischen ins Reich der Märchen verwiesen worden.
In den letzten Tagen ist hierzulande ein anderes Märchen erzählt worden. Die Schweizer Banken seien eigentlich gut dran, sie hätten sich frühzeitig rekapitalisiert und würden als strahlende Sieger aus diesem Schlammassel hervorgehen. Ganz Mutige haben sogar begonnen, Marcel Ospel als weitsichtigen Banker zu loben. Zur Erinnerung: Keine Bank ist grössere Risiken eingegangen als die UBS. Ihr Verhältnis Eigenkapital/Risiko betrug zeitweise über 1:50, ein Wert, der selbst die wildesten Cowboys unter den Hedgefunds-Managern erbleichen lässt.
( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )