Das hat Wallstreet noch selten gesehen: Innert Sekunden sackt der Dow-Jones-Index um zweihundert Punkte ab.
Ein CNN-Kommentator versuchte zu beruhigen: «Das ist keine Panik, das ist nur eine normale Reaktion auf den Entscheid der Politik».
Oktober 1987 war noch schlimmer
Trotz aller Dramatik: In Prozent gemessen blieb der Rückgang am Montag aber weit hinter dem Einbruch vom «Schwarzen Montag» im Oktober 1987 mit über 20 Prozent und während der Weltwirtschaftskrise zurück.
Zuvor waren bereits die Börsen Europas dramatisch abgesackt. In der Schweiz traf es erneut die UBS am härtesten, die Aktie verliert knapp 14 Prozent. Von der UBS werden noch diese Woche Aussagen zum Geschäftsverlauf im dritten Quartal erwartet, was die Unsicherheit vergrösserte. Credit Suisse tauchte bis 8,4 Prozent und schloss 7,8 Prozent tiefer als letzten Freitag. Julius Bär gab 6,8 Prozent nach.
Berlins gigantisches Rettungspaket
In Deutschland bricht das Papier der angeschlagenen Immobilienbank HypoRealEstate um 70 Prozent ein. In ihrem Sog geben die Aktien von Commerzbank und Postbank zwischen 15 und 20 Prozent nach. An den Börsen kam es zu panikartigen Verkäufen. Der SMI verliert über 4,5 Prozent, auch an den anderen europäischen Handelsplätzen geben die wichtigsten Indizes über 4 Prozent nach.
Mit einer dramatischen Rettungsaktion eilten heute die deutsche Bundesregierung und private Banken der angeschlagenen Immobilienbank HypoRealEstate (HRE) zu Hilfe. Der Konzern erhält eine Risikoabsicherung von 35 Milliarden Euro, von der der Bund mit 26,6 Milliarden Euro den Löwenanteil übernimmt. Der Sprecher des Finanzministeriums, Torsten Albig, hob die Brisanz der Entscheidung hervor und sprach von «sehr schwerwiegenden Massnahmen, aber wir halten sie für absolut notwendig, um Schaden von diesem Land zu wenden».
Die Europäische Zentralbank, die US-Notenbank und andere Zentralbanken pumpten am Montag erneut Milliardensummen in die Finanzmärkte, um die Liquiditätslage der Banken zu verbessern.
Das Bankgeschäft der ebenfalls ins Trudeln geratenen grossen US-Bank Wachovia wird von der US-Grossbank Citigroup übernommen, der Staat unterstützt diesen Deal. Wachovia hatte 2006 auf der Höhe des Immobilienbooms für 25 Milliarden Dollar die Hypothekenbank Golden West Financial Corp. gekauft. Damit übernahm sie auch ein 122 Milliarden Dollar schweres Portfolio inzwischen fauler Kredite.
Viele europäische Banken betroffen
Die britische Regierung verstaatlichte die vor der Pleite stehende Hypothekenbank Bradford & Bingley. Das Finanzministerium bestätigte die Übernahme fauler Kredite des Instituts in Höhe von 50 Milliarden Pfund (63 Milliarden Euro). B&B ist damit bereits die dritte britische Bank, die in diesem Jahr verstaatlicht oder von einem Konkurrenten aufgekauft wurde.
Die Regierungen Belgiens, der Niederlande und Luxemburgs beschlossen, den Finanzkonzern Fortis mit Steuergeldern von 11,2 Milliarden Euro vor der Pleite zu bewahren. Auch die französisch-belgische Dexia hat Probleme: Der belgische Ministerpräsident Yves Leterme kündigte an, «wir werden auch bei Dexia unsere Verantwortung wahrnehmen».
Die schwedische Nordea AB, die dänische Spar Nord Bank und Arbejdernes Landsbank kauften derweil für rund 108 Millionen Dollar Teile der ins Schlingern geratenen Roskilde Bank. Die isländische Regierung übernahm die Kontrolle über die angeschlagene Glitnir Bank.
( Tagesanzeiger.ch/Newsnetz )