Was, wenn die UBS-Aktie unter zehn Franken fällt?

Von Philipp Löpfe . Aktualisiert am 23.02.2009
Der Kurs der UBS-Aktie erreicht ständig neue Tiefstwerte. Wird die Schweizer Grossbank jetzt zum Schnäppchen für ausländische Investoren?

Die UBS-Aktie durchbricht mit deprimierender Regelmässigkeit Barrieren: Als der Wert unter 50 Franken sank, träumten die ersten von einem Schnäppchen, dann fielen die Papiere unter 40, dann unter 30, dann unter 20 und jetzt steht die letzte zweistellige Hürde bevor: Was vor Jahresfrist noch völlig grotesk erschien, wird immer wahrscheinlicher – nämlich die Schlagzeile: UBS-Aktie fällt unter 10 Franken.

Doch was wäre, wenn die Aktie tatsächlich unter die magische Grenze fällt? Grundsätzlich nichts. Nüchtern betrachtet werden im Aktienkurs die Erwartungen der Investoren an die zukünftige Entwicklung des Unternehmens widerspiegelt. Mehr nicht. Trotzdem ranken sich um solche Schallgrenzen Mythen. Zum Beispiel: Wenn die UBS unter zehn Franken fällt, dann ist sie ein Übernahmekandidat. Diese allgemeine Überzeugung entbehrt jeder Grundlage.

Die UBS ist immer ein Übernahmekandidat. Vorausgesetzt, jemand ist bereit und in der Lage, den entsprechenden Preis zu bezahlen. Beides ist keineswegs selbstverständlich. Aktuell ist die UBS-Aktie ein Vielfaches weniger wert als zu ihren besten Zeiten. Nur damals war das Problem der Ramschpapiere noch nicht bekannt. Jetzt soll dieser «Giftmüll» zwar mit Hilfe der Nationalbank entsorgt werden, doch definitiv beschlossen ist noch nichts. Ein potenzieller Käufer der UBS wird deshalb abwarten, bis in dieser Frage Klarheit herrscht.

Ein potenzieller Käufer der UBS wird auch abwarten, bis das Verhältnis der UBS zu den USA geklärt ist. Auf der anderen Seite des Atlantiks steht die Bank gewaltig unter Druck. Um drakonischen Strafen zu entgehen, muss sie die Namen von Kunden preisgeben, die mutmasslich Steuern hinterzogen haben. Umgekehrt drohen die Kunden mit Klagen, weil Verpflichtungen nicht eingehalten werden. Was das am Schluss die UBS alles kosten wird, ist derzeit nicht abschätzbar. Wer möchte schon dieses Risiko übernehmen?

Selbst wenn eine andere Bank bereit wäre, das Risiko zu tragen – welche Bank wäre das? Alle sind inzwischen in den Sog der Finanzkrise geraten und haben alle Hände voll zu tun, die eigene Haut zu retten. Noch schlimmer ist die Lage bei den «Heuschrecken». Hedge-Funds-Firmen haben die schlimmsten Monate ihrer Geschichte hinter sich und einen Exodus ihrer Investoren vor sich. Die meisten kämpften ums Überleben und denken nicht im Traum daran, eine Grossbank zu kapern.

Bleiben noch die ausländischen Staatsfonds. Singapur hat bei der UBS bereits Milliarden verbrannt und wird sich hüten, gutes Geld nachzuwerfen. Die Kauflust der Scheichs im Persischen Golf entwickelt sich parallel zum Ölpreis, und der sinkt bekanntlich fast noch schneller als die UBS-Aktie.

Fazit: Wir haben allen Grund, uns Sorgen um die UBS zu machen. Dass sie übernommen wird, ist die geringste davon.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.11.2008, 11:57 Uhr

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