Der gekochte Hund

Von Renate Sturzenegger . Aktualisiert am 07.04.2009
Wer etwas Unglaubliches erfahren hat, bekräftigt seine Verblüffung darüber womöglich mit dem Ausruf «Da wird ja der Hund in der Pfanne verrückt!»

Fassungslos starrt Frau Tschanz auf den Brief in ihren Händen. «Da wird ja der Hund in der Pfanne verrückt!», ruft sie und ringt nach Atem. Hat sie etwa den Hauptpreis in der Lotterie gewonnen? Oder ist ihr eine unerwartet hohe Steuerrechnung ins Haus geflattert?

Beides ist möglich, denn eines wie das andere würde die gute Frau völlig überrumpeln. Die Redensart, bei der sprichwörtlich ein Hund in der Pfanne verrückt wird, geht auf eine Geschichte von Till Eulenspiegel zurück. Dessen Markenzeichen war es, die Aussagen seiner Mitmenschen stets wörtlich zu nehmen. Als Knecht eines Braumeisters erlaubte sich der Schalk eines Tages einen besonders bösen Streich. Der Meister übertrug Till für ein paar Stunden die Verantwortung über die Braupfanne und befahl ihm, «den Hopfen mit Sorgfalt» zu sieden. Dummerweise trug aber auch der Hund des Hauses den Namen «Hopfen», und so warf Eulenspiegel, der sich nicht als Tierfreund auszeichnete, den Vierbeiner in die heisse Würze. Nach Ablassen des Sudes stiess der Meister nicht auf die Zutat für das Bier, sondern fand die traurigen Überreste seines Hundes in der Braupfanne. Man kann sich gut vorstellen, dass dann der Teufel los war.

Till von Berlichingen

Ob es Till Eulenspiegel wirklich gegeben hat, weiss man nicht. 1510 veröffentlichte der Dichter Hermann Bote ein Buch mit dem Titel «Ein kurzweiliges Lesen von Dil Ulenspiegel». In 96 Geschichten führt darin ein schlauer Narr seine Mitmenschen an der Nase herum und schert sich keinen Deut um ihre Meinung. Sein Name: Till Eulenspiegel. Dieser setzt sich zusammen aus dem Wort «ulen» (reinigen) und «spiegel», was in der Jägersprache so viel wie Hinterteil bedeutet. «Ul’n spiegel» heisst nichts anderes als - aber nein, das wollen wir hier lieber nicht drucken und verweisen stattdessen auf Götz von Berlichingen. Jedenfalls ist jene Redensart im Gegensatz zu «Da wird der Hund in der Pfanne verrückt!» den meisten geläufig.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.04.2009, 08:43 Uhr

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