…46 Jahren: Kitty Genovese wird in New York brutal erstochen.

Von Claudia Müller . Aktualisiert am 16.03.2010
Am 13. März 1964 schauen Nachbarn zu, wie die 28-Jährige ermordet wird.
Ohnmacht der Nachbarn: Der Mord an Ketty Genovese hätte verhindert werden können. Bild: WireImage

Kitty Genovese wird Opfer eines grausamen Gewaltakts. Ihr Schicksal löst eine grosse Debatte über Hilfeleistung bei Überfällen aus. Das psychologische Syndrom, das dieses gesellschaftliche Phänomen umschreibt, wurde deshalb auch nach dem Opfer benannt.

Der Hergang

Am frühen Morgen des 13. März 1964 fährt die junge New Yorkerin mit ihrem Auto nach Hause. Sie parkt ihr Auto wie gewohnt nur unweit von ihrer Wohnungstür, als sich ihr ein Mann nähert. Das Opfer sieht den Mann, kann ihm aber nicht entfliehen, so dass dieser anfängt auf Genovese einzustechen. Schreie der Frau werden von den Nachbarn wahrgenommen. Einer schafft es sogar, den Angreifer mit seinen Schreien zu vertreiben.

Die verletzte Frau schleppt sich zu ihrer Wohnung. Nach fünf Minuten kommt der Angreifer unerwartet zurück und folgt der Blutspur. Genovese wird im verletzten Zustand vom Angreifer vergewaltigt und ausgeraubt. Vom ersten Einstechen bis zur Ausraubung dauert es ungefähr eine halbe Stunde. Ein Zeuge ruft nach dem zweiten Angriff die Polizei an, doch ihre Hilfe kommt zu spät. Kitty Genovese stirbt noch auf der Fahrt zum Krankenhaus.

Da viele Nachbarn die Ermordung hinter geschlossenen Fenstern und Türen beobachtet haben, löst die Untätigkeit im Fall Genovese eine Debatte über das Verhalten der Menschen bei solchen Überfällen aus. Ein Artikel, der die Haltung der Nachbarn dokumentiert, führt schliesslich zu einer genaueren Untersuchung dieses gesellschaftlichen Phänomens. Heute ist es unter dem Namen Bystander-Effekt oder auch Genovese-Syndrom zusammengefasst.

( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )

Erstellt: 13.03.2010, 00:00 Uhr

Weitere Artikel Wissen