Die Fingerlänge verrät unsere Talente

Von Thomas Kohler. Aktualisiert am 31.01.2009
Ring- und Zeigefinger sagen etwas über die Begabung des Menschen aus – glauben Forscher der Elite-universität Cambridge.
Der Mann hat Mut. Er behauptet allen Ernstes: Wer die Länge seiner Ring- und Zeigefinger misst, kann viel über sich erfahren. Dabei ist er beileibe kein Handleser, der sein Geld mit billigen Tricks auf Jahrmärkten macht. John T.Manning ist Professor für Psychologie der britischen Eliteuniversität Cambridge. Manning erforscht seit Jahren, was die Länge der beiden Finger über die Menschen aussagen kann. Seine jüngste Studie veröffentlichte er in der Wissenschaftszeitschrift «Proceedings of the National Academy of Sciences». Die Länge der Finger wird gemäss dem Wissenschafter in den frühen Monaten der Schwangerschaft beeinflusst. Sie sei ein später Massstab für die Menge an Testosteron, der das werdende Kind ausgesetzt war.

John T.Manning ist nicht der einzige Forscher, der sich mit dem Längenverhältnis von Zeige- und Ringfinger befasst. Kollegen in England, Deutschland, Spanien, Ungarn, Polen und Jamaica halfen bei seinen Forschungen mit.

Ringfinger: Rechentalent

So bestätigten Wissenschafter der Universität Bath im Süden Englands, dass allgemein Kinder mit längeren Ringfingern in Zahlen-Fächern wie Physik und Mathematik bessere Noten erzielen. Das seien generell männliche Favoriten.

Buben öfter autistisch

Eine vor wenigen Tagen erschienene medizinische Studie weist darauf hin, dass Autismus mit dem Vorkommen von Testosteron im Mutterleib während der Schwangerschaft zusammenzuhängen scheint. Autismus kommt bei Buben vier Mal öfter vor als bei Mädchen.

Forscher der kanadischen Universität von Alberta entdeckten, dass es eine Verbindung zwischen der Länge der Finger und dem Hang zu Gewaltausbrüchen bei Kindern gibt. Bei Mädchen stellten die Wissenschafter aus Bath auffallend häufig ein umgekehrtes Längenverhältnis fest. Demnach deutet ein Zeigefinger, der länger aus der Ringfinger ist, auf gute sprachliche Talente hin. Die Wissenschafter veröffentlichten ihre Forschungsergebnisse 2007 in der Zeitschrift «British Journal of Psychology». Der längere Zeigefinger deute auf einen vergleichsweise höheren Östrogenspiegel während der Schwangerschaft hin.

Und so wird gemessen

John T.Manning leitete aus seinen Erkenntnissen ein System ab – das 2D:4D-Verhältnis. 2D bezeichnet den zweiten Finger, also den Zeigefinger (Englisch: «second digit»), 4D den vierten, also den Ringfinger. Manning legt den Massstab jeweils auf der Innenseite einer Hand an und misst von der «Wurzel» das Fingers, zwischen dem ersten Glied und der Handfläche, bis zur Fingerspitze. Dann teilt er die gemessenen Werte: Zeigefinger durch Ringfinger. Die Zahl, die sich daraus ergibt, bezeichnet der Psychologe als «ratio» – als «Schlüssel» oder «Verhältnis».

Ein Verhältnis von 0,89 gilt bei Männern als statistischer Mittelwert. Frauen haben einen Mittelwert von 1,0. Manning betont aber, dass auch Faktoren wie Vererbung bei der Fingerlänge durchaus mit eine Rolle spielen können.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 31.01.2009, 09:36 Uhr

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