Eine eiskalte Vorsorge, die das Leben kosten kann

Von Martina Frei . Aktualisiert am 16.03.2010
Ein Eisblock auf dem Rücksitz wurde einem 34-Jährigen fast zum Verhängnis.

Sintflutartige Regenfälle und heftige Winde kündigten sein Kommen an: Mit 217 Kilometern pro Stunde näherte sich der Hurrikan Ivan Mitte September 2004 dem US-Staat Alabama. Der Umkreis der Küstenstadt Mobile schien am stärksten gefährdet. Man rechnete mit Überschwemmungen und Stromausfällen. In weiser Voraussicht besorgte sich ein 34-jähriger Mann deshalb Eis für seinen Kühlschrank. Er wollte im Fall eines Stromunterbruchs gewappnet sein. Der 45-Kilo-Eisblock wurde in vier Stücke geteilt, in Papiertüten verpackt und auf dem Vordersitz seines Autos abgelegt.

Nach einem halben Kilometer Fahrt bekam der 34-Jährige Mühe mit dem Schnaufen. Auf den nächsten eineinhalb Kilometern verstärkte sich seine Kurzatmigkeit. Er rief seine Frau an, sie möge die Ambulanz alarmieren. Dann steuerte er einen Parkplatz an und konnte noch das Auto abstellen, bevor er die Besinnung verlor. Seine Frau fuhr zum Parkplatz, fand ihren Gatten, öffnete die Wagentür – und ihr Mann erwachte wieder. Um ein Haar hätte ihn die Vorsorge das Leben gekostet. Er hatte auf dem Heimweg alle Autofenster geschlossen und die Klimaanlage so eingestellt, dass die Luft im Wageninneren zirkulierte. Mit Trockeneis neben sich war das keine gute Idee. Denn dieses Eis besteht aus Kohlendioxid (CO2). Beim Erwärmen wird das geruch- und farblose Gas freigesetzt. In geschlossenen Räumen beginnt dann ein Teufelskreis.

Kam mit dem Schrecken davon

Die Lunge nimmt das Kohlendioxid auf. Der Kohlendioxidgehalt im Blut steigt, und das zentrale Nervensystem steuert dagegen, indem es die Atemfrequenz erhöht. Im Normalfall funktioniert das; die Lungen atmen dann mehr Kohlendioxid ab, und der CO2-Spiegel sinkt wieder. In der kohlendioxidgeschwängerten Luft im Wageninnern aber war das kontraproduktiv. Je mehr er atmete, desto mehr giftiges Gas nahm der Mann auf. Er kam dank seiner Frau mit dem Schrecken davon. Einen Tag lang litt er noch an Kopfschmerzen, dann hatte er sich erholt. Mindestens 46 Menschen in den USA hatten weniger Glück: Sie verloren im Hurrikan ihr Leben. Martina Frei

Quelle: M. Tucker et al., «Acute illness from dry ice exposure during hurricane Ivan – Alabama, 2004». Morbidity and Mortality Weekly Report 2004, 24. 12., Bd. 53, S. 1182–1183

( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )

Erstellt: 16.03.2010, 09:47 Uhr

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