Die grösste europäische Rochenart ist aktut vom Aussterben bedroht

Aktualisiert am 18.11.2009
Er ist ein Erfolgsmodell der Evolution, Hunderte Millionen Jahre alt. Doch jetzt ist der Glattrochen in Gefahr - die Fischerei gefährdet seine Existenz.
Weil er als Delikatesse gilt ist er vom Aussterben bedroht: Der Glattrochen. Bild: WireImage

Schon seit Jahren steht der im Ostatlantik lebende Glattrochen Dipturus batis, dessen Fleisch als Seeforelle verkauft wird, auf der Roten Liste der bedrohten Arten.

Der Glattrochen besitzt einen stark abgeplatteten Körper und grosse Brustflossen, die mit dem Kopf verwachsen sind. Auf dem Rücken und auf dem Schwanz besitzt er eine Reihe kleiner Stachel. Der Schwanz ist meist peitschenartig ausgezogen. Das Maul befindet sich auf der abgeflachten, Unterseite. Es ist besetzt mit mehreren Reihen kleiner Zähne.

Klassifikationsfehler

Französische Meeresbiologen zeigen nun in einer Studie, dass unter dieser Spezies aufgrund eines Klassifikationsfehlers irrtümlich zwei Rochenarten geführt werden. Beide sind bedroht, aber die Grössere steht demnach durch die Überfischung unmittelbar vor dem Aussterben.

Die neue Einordnung erklärt eine Eigentümlichkeit des Glattrochens. Dieser erreicht gemäss der alten Taxonomie gewöhnlich eine Länge bis 1,40 Meter, wobei auffiel, dass manche Exemplare fast doppelt so gross wurden. Dabei handele es sich um verschiedene Arten, schreiben die Wissenschaftler der Meeresbiologischen Station Concarneau im Fachblatt «Aquatic Conservation»: Den kleineren Dipturus flossada und den grösseren Dipturus intermedia, der besonders stark bedroht sei.

Experten mahnen

Die Forscher begründen ihre neue Klassifikation mit zahlreichen Details zu Grösse, Körperbau, Farbe und Entwicklung. Ohne Prüfung und Anerkennung ihres eigenen Status könne die grössere Rochenvariante in naher Zukunft ausgestorben sein, mahnen die Experten.

Glattrochen besiedelten ursprünglich weite Teile der europäischen Atlantikküste inklusive Ärmelkanal, Nordsee und westlicher Ostsee. Das Fleisch der Tiere gilt als sehr schmackhaft. 60 Prozent der dokumentierten Fänge gehen auf das Konto französischer Fischer.

Mehr als 500 Arten

Die ältesten eindeutig zu den Rochen zählenden Fossilien aus dem Jura gleichen weitgehend heutigen Geigenrochen, denen man ihre Abstammung vom Hai noch am nur schwach abgeplatteten Körperbau und der grossen Schwanzflosse anmerkt. In der anschliessenden Kreidezeit bevölkerten bereits Vertreter aller anderen heute existierenden Rochenordnungen die Meere.

Mit mehr als 500 bekannten Arten übertreffen die Rochen sogar die Vielfalt der Haie. Rund die Hälfte davon zählen wie Glatt- und Nagelrochen zu den relativ urtümlichen «echten» Rochen. Sie legen Eier und ernähren sich hauptsächlich von kleinen Fischen und Krebstieren.

(etr/ap)

Erstellt: 18.11.2009, 06:11 Uhr

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