Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts haben ein System entwickelt, dass Terroristen mit Sprengstoff-Chemikalien am Körper aus einer Mengenmenge herausfischen kann. Hamlet - so der Kunstname des Netzwerks - geht mit hochempfindlichen Sensoren, Laserscannern und viel Mathematik auf Terroristenjagd.
Im ersten Schritt greift Hamlet (Hazardous Material Localization and Person Tracking) auf eine bewährte Technik zurück, wie Wolfgang Koch vom Fraunhofer-Institut für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie in Wachtberg erläutert. Die Passagiere werden beim Passieren eines Laufbands, einer Rolltreppe oder eines Korridors - also quasi nebenbei und nicht im Rahmen einer Kontrolle - von einem fast unmerklichen Luftzug «angeblasen», wobei winzige Partikel der gefährlichen Chemikalien freigesetzt werden. Die Luft wird abgesaugt und von Sensoren geprüft.
«Der Prototyp läuft»
Beim Auftreffen der Partikel auf der Sensorbeschichtung kommt es zu einer chemischen Reaktion, die das Vorhandensein eines gefährlichen Stoffes signalisiert. Der Clou an dem neuen System: Hamlet kann nicht nur sagen, dass Komponenten für einen Sprengstoff eingeschmuggelt werden sollen, sondern diese auch einer bestimmten Person in einer grossen Menschenmenge zuordnen. Laserscanner verfolgen den Weg einzelner Passagiere nach, und mit Hilfe mathematischer Algorithmen kann ein eventueller Sprengstoff-Alarm einer einzelnen Person zugeordnet werden. Das Sicherheitspersonal kann diese dann gezielt aus der Menge fischen.
Bei einem Versuch mit Bundeswehrsoldaten gelang es Hamlet nach Angaben des Fraunhofer-Instituts bereits, fünf «Terroristen» mit verstecktem Sprengstoff zu entlarven. «Der Prototyp läuft und soll noch verfeinert werden», erläutert Koch. So sollen künftig etwa auch Sensoren für radioaktive Stoffe eingesetzt werden. Denn Hamlet findet nur die Stoffe, nach denen er auch sucht.
Läuft auf zwei PCs
Der Wissenschaftler hält es für möglich, dass Flugreisende schon bald Bekanntschaft mit dem elektronischen «Prinz von Dänemark» machen können. Doch müssten noch zahlreiche technische Fragen der Sensorik, Robustheit, Systemauslegung und Datenfusion gelöst werden. Das Fraunhofer-Institut hofft dabei auch auf Unterstützung der Politik: «In Zusammenarbeit mit weiteren Partnern wäre der nächste Schritt ein Pilotprojekt in einer geeignet ausgewählten öffentlichen Infrastruktur.» Die elektronische Verarbeitung der Daten - das Herzstück des Systems - läuft auf zwei handelsüblichen PCs. «Da sind keine Millioneninvestitionen nötig.»
Probleme mit Datenschutz oder Persönlichkeitsrechten wie bei den umstrittenen Körperscannern sieht das Fraunhofer-Institut nicht. Die Daten werden umgehend gelöscht, wenn ein unbescholtener Passagier die Sensoren passiert hat.
(sam/ddp)