«Ein so brutales Foul kann zum Tod führen»

Von Thomas Niggl . Aktualisiert am 12.07.2010
Nigel De Jong sprang Xabi Alonso im WM-Final mit gestrecktem Bein in die Brust. Das extrem brutale Foul sorgt bei Fussballexperten für Entsetzen – denn es hätte beim Opfer schlimmste Folgen haben können.
topelement Mit gestrecktem hohen Bein geht Nigel de Jong auf Xabi Alonso los.m Bild: Keystone Mehr Bilder (7)

Das Endspiel um die Fussball-WM in Südafrika hätte ein Fest werden sollen. Doch die Fussball-Ästheten kamen nicht auf ihre Rechnung. Die Partie eskalierte zwischenzeitlich in einer wüsten Treterei. Schon nach 30 Minuten hatte der englische Schiedsrichter Howard Webb fünf Gelbe Karten gezeigt. Am Ende der regulären Spielzeit waren es neun – in der Verlängerung kam es zum Platzverweis gegen den Holländer Heitinga und zu drei weiteren Verwarnungen.

Das üble Foul von De Jong an Alonso sorgt für Diskussionsstoff. «Das war ein regelrechter Pitbull-Angriff», entsetzt sich GC-Trainer Ciri Sforza. Der Holländer habe mit dieser Attacke eine schwere Verletzung des Gegenspielers in Kauf genommen. «Alonso hat unglaubliches Glück gehabt, dass er sich nicht schwer verletzt hat», sagt der ehemalige Spielmacher der Schweizer Nationalmannschaft gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. De Jong sei ein Schwergewicht und wiege wohl gegen 90 Kilogramm, vermutet er. «Dabei entwickelt sich eine Wucht, die für das Opfer schlimme Folgen hätte haben können», so Sforza.

Stiels Erinnerungen an 1982

«Fürchterlich, einfach grauenhaft», sagt der ehemalige Captain der Schweizer Nationalmannschaft, Jörg Stiel. «Ich bin erschrocken, diese Szene hat mich schockiert», erklärt er. Diese Attacke sei grobfahrlässig gewesen. Es sei das schlimmste Vergehen an einer Endrunde seit 28 Jahren gewesen. «An der WM 1982 in Spanien hatte Deutschlands Keeper Toni Schumacher den Franzosen Patrick Battiston mit einer solchen Attacke schwer verletzt» , erinnert er sich. Battiston sei bewusstlos liegen geblieben. «Er hatte eine Gehirnerschütterung und fast alle Zähne verloren.»

Auch Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld sprach von einem rüden Foul. Er konnte nicht begreifen, dass der Schiedsrichter nur eine Verwarnung ausgesprochen hatte. «Das war nicht Rot, das war Dunkelrot», ereiferte sich der Lörracher. SF-Experte Gilbert Gress pflichtete dem Deutschen bei. ZDF-Experte Urs Meier schüttelte nur noch verständnislos den Kopf. «Das hat nichts mehr mit Fussball zu tun», erklärte der ehemalige Weltklasseschiedsrichter. Der Ref habe eigentlich keine andere Wahl gehabt, als Rot zu zeigen.

Alonso hätte eine Herzprellung oder Herzblutung erleiden können

Der Zürcher Sportchirurg Heinz Bühlmann war einst Teamarzt der Grasshoppers und des FC Zürich. Der Vertrauensarzt von Martina Hingis spricht von einem der schlimmsten und hässlichsten Fouls, das er auf einem Fussballplatz je gesehen habe. «Durch diesen wuchtigen Tritt hätte Alonso eine Herzblutung, eine Herzprellung oder einen Lungenriss erleiden können», sagt Bühlmann gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Eine Prellung oder Kontusion sei die Schädigung von Organen oder Körperteilen durch direkte, stumpfe Gewalt von aussen. «Ein so brutales Foul kann verheerende Folgen haben und in seiner Konsequenz sogar zum Tod führen», sagt der Mediziner.

( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )

Erstellt: 12.07.2010, 11:50 Uhr

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