Matchwinner Andres Iniesta mit dem WM-Pokal. Bild: Reuters
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Spanien steht nicht mehr im Schatten der ganz grossen Fussball-Nationen. Mit dem ersten WM-Titel erreichte die stolze «Seleccion» jetzt endlich auch den Gipfel. 2010 hat die beste Mannschaft den WM-Titel gewonnen.
Champion zu werden ist nich schwer, Champion zu bleiben dagegen sehr. Sagt man. Noch schwieriger ist allerdings, was Spanien erlebt hat. Favorit zu werden ist nicht schwer, die Rolle zu bestätigen dagegen sehr. Die «Seleccion» schaffte, was nur wenige Teams vor ihr erreichten. In den letzten 30 Jahren war nur Brasilien bei der WM 1994 als anerkannter Top-Favorit bis ins Ziel gekommen.
Weshalb das so ist, erlebten die Spanier in diesen vier Wochen in Südafrika. Die Schweizer hatten es zum WM-Auftakt in Durban perfekt vorgemacht. Die weiteren Gegner (bis auf die Deutschen im Halbfinal) versuchten die Taktik der SFV-Auswahl zu kopieren. Die Mannschaften gingen gegen Spanien als Verhinderer auf den Platz. Jeder Gegner war bestens auf das Spiel der Iberer eingestellt.
Spanien gewann ohne Spektakel
Die ganze Welt schwärmt seit zwei Jahren vom phantastischen «Tiqui-Taca». Man kennt deshalb die spanische Spielweise und ist doch meist machtlos dagegen. Für die Spanier war es gegen diese wehrhafte, defensive Gegnerschaft aber schwer, sehr schwer sogar, den eigenen Ansprüchen zu genügen.
Deshalb ist der Triumph Spaniens in Südafrika ungleich höher einzustufen, als der Erfolg vor zwei Jahren an der EM in der Schweiz und in Österreich. Obwohl das Team von Coach Vicente Del Bosque nicht diesen unwiderstehlichen Eindruck hinterliess wie 2008. Erst im Halbfinal gegen die bis anhin spektakulären Deutschen machte Spanien einen weltmeisterlichen Eindruck.
Doch wann ist ein Auftritt denn weltmeisterlich? Spanien hatte schon früher im Turnier auf seine Art bewiesen, dass es eine Stufe über dem Rest steht. Schon im zweiten Gruppenspiel gegen Honduras stand das Team mit dem Rücken zur Wand. Es gewann ohne Spektakel, aber problemlos 2:0. Andere Teams, die hoch gehandelt wurden, kamen nach den ersten Fehltritten nicht mehr auf die Beine.
Oder Spaniens Auftritt gegen Portugal: Erinnerungswürdig war dieser Achtelfinal nicht. Doch wer gegen Cristiano Ronaldo und Co. eine halbe Stunde lang in Führung liegt und dabei nie mehr in Gefahr gerät, das Spiel aus der Hand zu geben, hat einen weltmeisterlichen Auftritt hingelegt. Drei 1:0-Siege brachten Spanien in den Final. Nie hat ein Weltmeister weniger Tore erzielt als dieses Spanien. Und doch war jeder Sieg hoch verdient. Spanien war immer besser als der Gegner.
Zehn Siege in zehn Qualifikationsspielen
Vicente Del Bosque übernahm vor zwei Jahren eine Europameister-Equipe und machte dieses Team nochmals stärker. Zehn Siege in zehn Qualifikationsspielen zeugten von der Klasse, denn auch heikle Hürden in heissen Stadien wie in Istanbul oder Sarajevo übersprang sein Team. Del Bosque wählte eine um eine Spur vorsichtigere Taktik als Luis Aragones 2008. Er nominiert jeweils zwei eher defensive Mittelfeldspieler.
Das brachte ihm Kritik ein und wurde ihm nach den beiden einzigen Niederlagen der Amtszeit gegen die USA (2009) und die Schweiz (WM 2010) um die Ohren geschlagen. Nicht zuletzt von seinem Vorgänger. Die Philosophie hat Del Bosque gleichwohl nicht geändert. Spanien geht auf den Platz, um das Spiel zu dominieren, um Ball und Gegner zu kontrollieren.
In keiner WM-Partie wies der Gegner mehr Ballbesitz auf als die «Seleccion». Das ist bemerkenswert. Das ist das Spiel des FC Barcelona, von Spanien, jetzt auch von Del Bosque. Der 59-Jährige gehört ab sofort zu den Grössten seiner Gilde. Er gewann auf Klub- und Nationalmannschaftsebene die beiden wichtigsten Trophäen. Dies kann neben ihm nur noch Marcello Lippi von sich behaupten.
( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )