Patientinnen und Patienten in den Städten Winterthur und Zürich können Medikamente künftig auch beim Arzt beziehen. Die Stimmberechtigten haben am Sonntag mit 54 Prozent eine Volksinitiative der Zürcher Ärztegesellschaft angenommen. Mit der Annahme der Initiative endet die fast 50-jährige Praxis, wonach nur Landärzte Medikamente abgeben dürfen. Der Kantonsrat hatte das Volksbegehren zur Ablehnung empfohlen. Der Regierungsrat hatte sich dagegen für die Annahme ausgesprochen.
Entsprechend erfreut zeigte sich Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger (FDP). Er appellierte an die unterlegenen Apotheker, den Willen der Mehrheit zu akzeptieren. Die Stimmberechtigten mussten bereits zum dritten Mal innert sieben Jahren zum Medikamentenbezug Stellung nehmen. 225'941 Stimmbürgerinnen und Stimmbürger sagten dieses Mal Ja zur Selbstdispensation der Ärzte, 194'668 waren dagegen. Die Stimmbeteiligung lag bei 52 Prozent.
Ab 2010 in Kraft
Die Initiative macht gesetzliche Anpassungen nötig. Laut Heiniger wird die Neuerung auf den 1. Januar 2010 in Kraft treten. Er rechne damit, dass bis dann rund 800 Ärzte ein entsprechendes Gesuch für den Medikamentenverkauf stellen werden. Er freue sich, dass die Vorlage durchgekommen sei, sagte auch Josef Widler, Ko-Präsident des Initiativkomitees. Das Argument der Gegner, bei Annahme werde es keine Landärzte mehr geben, habe nicht verfangen. Er rechne damit, dass höchstens ein Viertel der Stadtärzte künftig selbst Medikamente anbieten werden.
Der Apothekerverband des Kantons Zürich (AVKZ) will nun die Ärzteschaft wie auch den Regierungsrat auf die Versprechen behaften, welche sie im Vorfeld der Abstimmmung gemacht haben, wie der Verband in einem Communiqué schreibt. Von den selbstdispensierenden Ärzten erwarte man zuallererst, dass sie «Rezepte diskussionslos ausstellen». Und die Regierung habe in Aussicht gestellt, die Aufgaben der öffentlichen Apotheken in den Bereichen Prävention, Gesundheitsvorsorge und Impfen im Sinne einer Kompensation auszubauen.
(fsc/sda)