Zu verdanken hätte die Schweiz diese Frauenmehrheit Rita Gygax. Die Präsidentin der SVP-Frauen hat sich für eine Nomination Fuhrers starkgemacht: «Da müsste ich schon ein wenig schmunzeln, allerdings ist ganz sicher keine Absicht dahinter. Da sind wir sehr pragmatisch. Für ein Amt kommt für uns die bestmögliche Person in Frage, da unterscheiden wir nicht zwischen Mann und Frau. Wir können nicht immer sagen, wir politisieren partnerschaftlich und dann auf das Geschlecht Rücksicht nehmen.»
Fuhrers Wahl ist unwahrscheinlich, aber möglich
Dass die Schweiz ab dem 10. Dezember mehrheitlich von Frauen regiert wird, hält Politologe Louis Perron für unwahrscheinlich: «Zurzeit sehe ich keine grossen Chancen für eine Frauenmehrheit in der Landesregierung. Das Thema sind momentan nicht die Frauen. Sondern, ob die SVP zurück in die Regierung will und ob sie das mit oder ohne Christoph Blocher tun soll. Zudem glaube ich nicht, dass Rita Fuhrer zu den Favoriten der SVP gehört. Auch nicht, dass sie mit Christoph Blocher auf ein Zweierticket kommt. Aber bei Bundesratswahlen ist alles möglich.»
Fuhrer wäre nicht die einzige Verteidigungsministerin
Zurück zum spanischen Modell: Zum ersten Mal hat der sozialistische Ministerpräsident Zapatero mit Carme Chacon eine Frau an die Spitze des Verteidigungsministeriums gesetzt. Rita Fuhrer als VBS-Vorsteherin wäre also im europäischen Vergleich nicht allein. Fuhrer wollte sich zu diesem Thema nicht äussern.
Sollte es bei der nächsten Bundesratswahl mit der Frauenmehrheit nicht klappen, könnte dies vielleicht beim übernächsten Mal der Fall sein. Dass von den aktuellen Bundesräten eher die Männer als die Frauen zurücktreten, ist wahrscheinlich. Pascal Couchepin ist bereits 66 Jahre alt, und auch der dienstälteste Bundesrat Moritz Leuenberger dürfte die 13 Regierungsjahre nicht um viele mehr verlängern. Und Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi, falls immer noch oder wieder an der Macht, bräuchte eine zweite rosa Brille. Die spanische Frauenmehrheit hatte er als «zu rosa» bezeichnet und entsprechend Kritik geerntet.
( Tagesanzeiger.ch/Newsnetz )