So machte ein 23-jähriger Zugreisender erst kürzlich auf der Fahrt nach Rapperswil eine unangenehme Erfahrung. «Ich las gerade in meinem Buch, als ich im Abteil vor mir deutlich das Geräusch eines Nagelknipsers hörte. Und tatsächlich: Dort machte sich eine Rentnerin gerade daran, ihre Fingernägel zu stutzen», schilderte er die Situation gegenüber Tagesanzeiger.ch. «Ich sagte der Frau, dass mich das störe und ob sie sich die Nägel nicht zu Hause schneiden könne. Sie hat sich daraufhin fürchterlich aufgeregt und mich als schnöseligen, jungen Schnaufer tituliert.»
«Es ist nicht Aufgabe der SBB, die Gesellschaft zu erziehen»
Körperpflege im Zugabteil, lautstarke Unterhaltungen am Handy, Kritzeleien an den Wänden, Littering und Füssehochlagern – die Beispiele für fehlende Rücksichtnahme gegenüber anderen Passagieren sind zahlreich. «Wenn man die Entwicklung über die vergangenen Jahrzehnte hinweg betrachtet, dann stellen auch wir tatsächlich fest, dass die gegenseitige Rücksichtnahme abgenommen hat», sagt SBB-Mediensprecher Daniele Pallecchi. «Das ist allerdings ein soziologisches Phänomen, ein Wandel in der Gesellschaft. Wir können das nur konstatieren und versuchen, die Situation in den Zügen in geordneten Bahnen zu halten. Aber es ist nicht die Aufgabe der SBB, die Gesellschaft zu erziehen.»
Besonders auffällig sei in diesem Zusammenhang auch, dass die Situation in den Zügen schneller eskaliere als früher, so Pallecchi. «Das spüren auch unsere Zugbegleiter. Sie werden häufiger angegriffen – meist verbal, manchmal aber auch körperlich.» Das sei einer der Gründe, weshalb die Zugbegleiter der SBB gerade zu später Stunde nur noch zu zweit unterwegs sind.
Damit die Passagiere auch ohne Bemerkungen der Zugbegleiter wissen, was sie in den Abteilen tun dürfen und was nicht, sind in den S-Bahnen Piktogramme angebracht, die auf die Zugordnung aufmerksam machen. Ein Schild mit der Aufschrift «Bitte nicht auf den Boden spucken» war bislang noch nicht notwendig.
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( Tagesanzeiger.ch/Newsnetz )