Impf-Befürworter Stadler: «Holocaust-Vergleich ist zulässig»

Von Simon Eppenberger . Aktualisiert am 18.02.2009
Der Vergleich zwischen Holcaust-Leugnern und Impfgegnern polarisiert die Leser. Viele werfen dem Immunologen Beda Stadler Arroganz vor. Zudem soll er von Pharmafirmen Geld erhalten.

Am Dienstag streitet sich der Immunologe Beda Stadler auf Tele Züri mit der Impfgegnerin Anita Petek um die Masernimpfung. Dabei vergleicht Stadler die Impfgegner mit Holocaust-Leugnern und wirft Petek vor, sie habe einen Dachschaden.

Damit löst der Direktor des Instituts für Immunologie am Inselspital Bern eine Welle der Entrüstung aus. Viele Leser werfen ihm vor, sich massiv im Ton vergriffen zu haben und falsch zu informieren. «Die Vergleiche sind haarsträubend und gemeingefährlich,» schreibt Marie Forster. Und Andy Späni findet, «Seine demagogischen und ehrverletzenden Äusserungen gegenüber Andersdenkenden sind dümmlich und primitiv.»

«Jährlich stirbt eine Million»

Mit den Angriffen konfrontiert, sagt Stadler: «Ich bleibe dabei: Der Vergleich mit Holocaust-Leugnern ist zwar nicht ganz fair, aber zulässig.» Wenn jemand leugne, dass Millionen Juden umgebracht wurden, verhalte er sich gegen das Gesetz. «Deshalb stellt sich die Frage, ob jemand, der wissenschaftliche Fakten leugnet, nicht ebenfalls den Tod von Millionen verneint.»

In Entwicklungsländern sterben jährlich eine Million Menschen an Masern, weil sie nicht geimpft sind, sagt Stadler weiter. In den USA sei die Anzahl der Masernkranken durch die Impfung von 800'000 gegen Null gesunken, so der Immunologe.

Geld von Pharmamultis: «Blödsinn»

Doch die Vorwürfe der Leser gehen weiter. Viele vermuten, er werde von der Pharmaindustrie bezahlt, um für Impfungen zu lobbieren. «Ein absoluter Blödsinn», sagt Stadler. Sein Institut werde vom Nationalfonds und anderen öffentlichen Geldern finanziert.

«Die Grundlagenforschung bei uns ist dabei immer unabhängig. Von der Industrie wurde ich noch nie für eine Auftragsforschung angefragt», sagt Stadler. In seiner Tasche sei noch nie Geld von einem Pharmamulti gelandet. «Der Vorwurf ist ungefähr so blöd, wie wenn man früher sagte, die Sozis werden von Russland bezahlt.»

( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )

Erstellt: 18.02.2009, 15:01 Uhr

Weitere Artikel Zuerich