Als Reaktion auf die steigende Zahl der Gratiszeitungen haben die SBB vor einigen Jahren im Ausgangsbereich der S-Bahn-Wagen Sammelbehälter für Zeitungen installiert - Metallboxen ohne Deckel, die von oben bis unter den Boden ausgeschnitten sind. Sie wurden bewusst offen gestaltet, damit die Reisenden nicht nur Zeitungen ablegen, sondern auch Zeitungen herausnehmen und lesen können.
Während einer Sicherheitsprüfung im März sind die Behälter aber den Experten des Bundesamtes für Verkehr ins Auge gestochen. Für sie war sofort klar: Offen, wie die Behälter sind, wäre es ein Einfaches, die Zeitungen anzuzünden. Deshalb forderten sie die SBB auf, bis Ende Jahr sämtliche Boxen abzumontieren und durch ein Modell «mit einem besseren Brandverhalten» zu ersetzen. Das gilt auch für die Lötschbergbahn, welche dieselben Boxen führt.
Nachträglich eingebaut
Eigentlich hätten die SBB den Behälter erst vom Bundesamt prüfen lassen müssen. Aber bei den Wagen der 1. Generation wurden sie erst nach der Prüfung eingebaut - und die Wagen der 2. Generation wurden gleich integral bewilligt, weil sich die Vorgänger bewährt hatten.
Bis heute ist allerdings noch nie ein Zeitungsbehälter angezündet worden, wie SBB-Sprecher Daniele Pallecchi sagt. Dennoch werden die Bundesbahnen der Forderung ihrer Aufsichtsbehörde nachkommen: «Der Brandschutz hat bei uns höchste Priorität.» Die SBB haben zwar mehrere Ideen für einen neuen Behälter, aber noch keine Lösung. Fest steht, dass er zwingend einen Deckel haben muss und vom Design her weder an einen Pet-Sammelbehälter (eckiger Deckel) noch an einen Briefkasten (schmaler Einwurfschlitz) erinnern darf. Der Austausch aller Zeitungsboxen kostet die SBB einen sechsstelligen Betrag.
(Tages-Anzeiger)