Ausgerüstet mit Transparenten und Flugblättern machte gegen 14.30 Uhr am Mittwochnachmittag eine Handvoll Gewerkschafter vor dem Hauptsitz des Schokoladekonzerns Lindt & Sprüngli am Zürcher Seeufer ihrem Ärger Luft. Sie nutzen den Schichtwechsel in der Schokoladenfabrik, um möglichst viele Arbeiter mit Flyern über die Missstände im Lindt & Sprüngli-Produktionsbetriebs Oloron in Frankreich aufzuklären (siehe Infobox).
Mitglied der Konzernleitung trat vor die Gewerkschafter
Zudem forderten sie eine Erklärung zu den Vorfällen rund um den Streik im Französischen Betrieb. Rund eine halbe Stunde nach Beginn der Aktion stand mit Dieter Weisskopf ein Mitglied der Konzernleitung Rede und Antwort.
Dieter Weisskopf nahm die Forderung des Solidaritätskomitees entgegen und versuchte, den Gewerkschaftern die Umstände, die zum umstrittenen Tränengaseinsatz führten, darzulegen.
Löhne in Frankreich wurden angehoben
Laut Angaben der Kommunikationschefin von Lindt & Sprüngli Sylvia Kälin, sei der Lohnstreit im französischen Produktionsbetrieb mittlerweile im Einvernehmen aller Parteien beigelegt worden. Die Löhne seien angehoben worden, obwohl sie bereits gut 15 Prozent über dem Branchenschnitt gelegen hätten.
«Der Tränengaseinsatz ist nicht im Sinne von Lindt & Sprüngli»
Dass während des Streiks die französische Polizei eingeschritten und sogar Tränengas eingesetzt worden ist, bedauert Kälin. Die Polizei sei nicht vom Werk angefordert worden, sondern habe ihre ordnungsdienstliche Aufgabe wahrgenommen. Allerdings habe Lindt & Sprüngli einen richterlichen Erlass bewirkt, um das Werk zu schützen. «Der Tränengaseinsatz ist nicht im Sinne von Lindt & Sprüngli und erfolgte, nachdem tätlich gegen Polizisten vorgegangen worden war.» Im Unternehmen respektiere man das Streikrecht und die Meinungsäusserung der Mitarbeitenden.
Der Befürchtung der Schweizer Gewerkschaften, durch tiefe Löhne in den französischen Betrieben seien auch Arbeitsplätze in der Schweiz gefährdet, hält Kälin entgegen, dass Frankreich im Konzern die höchsten Lohnkosten aufweise. «Eine derartige Behauptung entbehrt jeder Grundlage. In den letzten fünf Jahren hat Lindt & Sprüngli in der Schweiz 250 Stellen geschaffen und in die Standorte Kilchberg und Olten rund 280 Millionen Franken investiert.»
( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )