Sollen Kinderkrippen vom Staat betrieben werden? Oder soll dies der Privatwirtschaft überlassen sein? Eindeutig beantworten konnten die vier Teilnehmenden der Podiumsdiskussion die Fragen nicht. Es waren dies: Monika Bütler, Professorin für Volkswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen, die Adliswiler Gemeinderätin Susy Senn (FDP), Stephan Herzog (SP), Vorsteher des Ressorts Soziales im Adliswiler Stadtrat, und Jürg Schumacher, der Geschäftsführer eines noch jungen Netzwerkes von Kinderkrippen.
Strikte Richtlinien lockern
Stephan Herzog stellte das Interesse der Stadt Adliswil ins Zentrum: «Die Stadt will in erster Linie genügend Betreuungsplätze anbieten können, egal ob das nun städtische oder private Kinderkrippen sind.»
Für Susy Senn war klar: «Was Private erledigen können, sollte nicht der Staat machen.» Um private Kinderkrippen zu fördern, müsste aber der Kanton die strikten Richtlinien zum Betrieb einer Kinderkrippe lockern. Sie verstehe nicht, warum eine Mutter mit grosser Erfahrung in der Kinderbetreuung zuerst eine dreijährige Lehre machen müsse, bevor sie in einer Kinderkrippe arbeiten könne, sagte sie.
Eine Möglichkeit zur Finanzierung privater Kinderkrippen zeigte Jürg Schumacher. Seine Firma arbeitet unter anderem mit einer Krankenkasse zusammen. Wechseln Eltern zu dieser Krankenkasse, so ist ein Krippenplatz in einer «seiner» Krippen billiger. «Das Ganze läuft aber auf freiwilliger Basis, niemand wird zu einem Wechsel gedrängt», sagt Schumacher. Um Geld zu sparen, setzt er auf ein Netzwerk von Kinderkrippen, deren Administration zentral erledigt wird. «So kann sich die Krippenleiterin wieder pädagogischen Aufgaben widmen, und die Qualität wird gewährleistet», sagte Schumacher.
Monika Bütler sah das Problem der mangelnden Krippenplätze auch in den falschen Anreizen, die mit der schweizerischen Subventionspolitik gemacht würden. Krippentarife und Unterstützungsleistungen sind an vielen Orten lohnabhängig. Je mehr jemand verdient, desto teurer wird der Krippenplatz und desto weniger wird dieser subventioniert. So lohne es sich für einen zweiten Elternteil oft nicht, das Arbeitspensum um einen Tag aufzustocken, weil im Extremfall 80 Prozent des zusätzlichen Lohnes durch diesen Effekt wieder aufgefressen würden. Zudem sei in der Stadt Zürich ungefähr ein Drittel aller Krippenplätze durch Kinder von Paaren belegt, bei denen nur ein Elternteil arbeite. Weil diese Paare aber relativ günstig zu einem Krippenplatz kämen, würden sie die Kinderkrippe als pädagogisches Konzept nutzen.
Falsche Anreize
«Diese falschen Anreize muss man ändern», sagte Bütler. Denn dadurch werde das Angebot an Krippenplätzen unnötig verknappt. Sie würde den Krippentarif zum Beispiel abhängig vom Stundenlohn berechnen und nicht vom absoluten Lohn, sodass nicht mehr bestraft werde, wer ein grösseres Arbeitspensum leiste.
Sowohl Herzog als auch Senn nahmen die Anregung, das Subventionssystem zu überdenken, auf. «Jetzt haben wir ja wieder Material für unsere nächsten Vorstösse», sagte Senn.
(Tages-Anzeiger)