Wirtin Susi Horat träumt für die Zeit nach dem Alpenrösli von einer Blockwohnung. Nathalie Guinand
Das Restaurant Alpenrösli in Wallikon oberhalb von Pfäffikon ist ein bunter Farbtupfer in der verschneiten Landschaft: Kuh- und Ziegenfiguren, blaue Enziane sowie Windrädchen schmücken das Haus. Wirtin des Alpenröslis ist seit 28 Jahren Susi Horat. «Meine Arbeit gefällt mir, auch wenn ich nie frei habe», sagt Horat. Oft sei sie 16 Stunden im Restaurant, denn sie öffne bereits um 8 Uhr morgens. Montags und dienstags ist das Restaurant zwar geschlossen, doch sie hat immer viel zu tun, besonders im Sommer: «Ich habe rund ums Haus 100 Blumentöpfe, davon 40 mit Geranien, das bedeutet viel Arbeit.» Ausserdem dekoriere sie gerne. «In der Weihnachtszeit schmückte ich jedes Fenster, das Haus leuchtete schon von weitem», sagt Horat.
Im Restaurant gibt es gutbürgerliche Küche. «Ich koche alles selber, und die Speisen bereite ich frisch zu», so Horat. Jeden Freitagabend findet eine Stubete statt, welche ihr Bruder organisiert. Jeder Gast könne sein Instrument mitbringen, um gemeinsam Ländlermusik zu spielen. «Die Stubete ist sehr beliebt. Das Restaurant ist fast immer ausgebucht», sagt Horat. Ihr gefalle die Ländlermusik sehr, sie sei damit aufgewachsen. «Mein Personal – alles Frauen – mag diese Musik aber nicht.»
Neue Gesetze nerven
Nach 28 Jahren möchte Horat nun das Haus verkaufen: «Ich würde zwar noch gerne weiterwirten, denn ich habe viele Stammgäste. Doch all diese neu eingeführten Regeln und Gesetze, wie die Mehrwertsteuer, die Promillebegrenzung für Autofahrer und das Rauchverbot, regen mich auf», sagt Horat. Sie habe deswegen schon keine Apérogäste mehr. Nun müsse sie ab dem 1. Mai auch noch die Leute nach draussen schicken, um zu rauchen. «Die Geselligkeit fällt auseinander, wenn die Hälfte der Gäste draussen ist», bedauert Horat.
Wer das Haus kaufen wird, sei ihr nicht wichtig. «Ich habe mir keine Frist gesetzt, wie lange ich weitermachen will. Finde ich einen Käufer, ist es von ihm abhängig, wie lange ich noch wirte», sagt Horat. Führe der Käufer das Restaurant nicht weiter, sei das seine Entscheidung. Als Wirtin sei es aber spannend, so viele verschiedene Leute kennen zu lernen. «Es gibt zahlreiche Personen, die sich mir anvertrauen, beispielsweise wenn sie in einer Ehekrise stecken. Beide Seiten erzählen mir Dinge, und da gilt es, neutral zu bleiben», sagt Horat. So übe sie auch eine soziale Funktion aus.
Grosse Zukunftspläne hat die Wirtin noch nicht. «Ich würde nach dem Verkauf gerne in eine Blockwohnung ziehen, dort habe ich einen Pauschalpreis. Hier musste ich mich immer um alles kümmern und schauen, dass alles funktioniert», sagt Horat. Luxus brauche sie nicht. Vielleicht werde sie im Restaurant ihres Bruders oder in einer Gärtnerei aushelfen. «Und ich möchte endlich wieder einmal in den Bergen Velo fahren, in den letzten 28 Jahren hatte ich keine Zeit dazu.»
Bevor Horat das Restaurant übernahm, führte es ihre Mutter während fünf Jahren. Das Restaurant existiert aber bereits seit dem 17. Jahrhundert. «Ich wollte gar nie Wirtin werden, doch ich musste das Restaurant gezwungenermassen übernehmen, weil meine Mutter erkrankte», sagt die 60-jährige Wirtin. Horat begann mit nichts, denn eine Ausbildung zur Wirtin habe sie nie gemacht. «Zu Hause waren wir zehn Kinder. Im Alter von 14 Jahren mussten wir die Schule verlassen und arbeiten gehen», erzählt Horat. Als Kind hätte sie gerne den Beruf der Krankenpflegerin erlernt; stattdessen musste sie als ersten Job bei ihrer Grosstante Teller waschen. Kochen lernte sie zu Hause, und sie absolvierte später einen zehnmonatigen Kochkurs.
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(Tages-Anzeiger)