Jugendarbeiter trifft man normalerweise im Jugendzentrum. Oder auf Veranstaltungen, die eigens für oder von Teenager durchgeführt werden. Seit einiger Zeit setzen Gemeinden wie Dübendorf auch auf das sogenannte Streetworking. Dabei besuchen die Jugendarbeiter die Jugendlichen an ihren Treffpunkten.
Nun hat ein neuer Trend das Oberland erreicht: Mitarbeiter der Jugendzentren nutzen vermehrt das Internet, um mit den Teenagern in Kontakt zu treten, um sie zu beraten und im Alltag zu unterstützen. Tobias Baumann vom mobilen Jugendarbeiterteam Uster und Greifensee betreibt seit einigen Monaten eine eigene Netlog-Seite. Er aktualisiert seinen Auftritt regelmässig und bloggt über Jugendthemen. Der Erfolg gibt dem 27-Jährigen recht.
Herr Baumann, wie viele Teenager waren heute schon auf Ihrer Netlog-Seite?
Um die zwanzig. Darunter waren einige «Stammgäste», aber auch Jungs und Mädchen aus der Region, die ich nicht kenne. Ich sage besser: Noch nicht.
Es scheint sich herumgesprochen zu haben, dass man die Ustermer Jugendarbeiter jetzt auch im Internet treffen kann.
Wir sind selber erstaunt, wie gut das Angebot angenommen wird. Die Jugendlichen bewegen sich heute mit grossem Selbstverständnis im Internet. Fast jeder hat ein eigenes Facebook- oder Netlog-Profil. Da ist es doch nur logisch, dass wir uns diese Tatsache zunutze machen und versuchen, die Kids über das Netz zu erreichen.
Wie hat man sich das vorzustellen? Beraten Sie die Mädchen und Jungen jetzt online?
Auch. Es geht aber vor allem darum, in ihrem neuen Sozialraum präsent zu sein, auch dort als Ansprechpartner zu fungieren. Früher kamen viele Jugendliche ins Ustermer Freizeit- und Kulturzentrum «frjz». Das hat sich teilweise geändert, wir erreichen nur noch bestimmte Gruppe. Jugendarbeit braucht neue Kanäle.
Sie nutzen Ihre Netlog-Seite auch, um die Teenager auf die Gefahren des Internets aufmerksam zu machen...
...was auch nötig ist. Da nennt sich ein Mädchen im virtuellen Raum beispielsweise «Sexy-Maus» und blendet total aus, dass immer mehr Arbeitgeber das Netz durchstöbern, um Lehrstellenbewerber auf Herz und Nieren zu prüfen. Ganz zu schweigen von Pädophilen, die von solchen Nicknames angezogen werden.
Ihre Arbeitskollegin Elisa Simcik unterhält ebenfalls ein eigenes Profil. Sie kümmert sich verstärkt um die Belange junger Frauen.
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Mädchen diese virtuellen Plattformen häufig nutzen, um sich ihren Kummer von der Seele zu reden. Elisa Simcik chattet mit ihnen, und versucht, online Hilfestellung zu geben.
Manchmal reicht es nicht, zu mailen. Probleme in der realen Welt holen einen ein.
(Nickt.) Man kann die Jugendarbeiter, wenn man das möchte, auch jederzeit persönlich treffen. Der Kontakt von Mensch zu Mensch ist und bleibt zentraler Bestandteil unserer Arbeit.
Mit Tobias Baumann sprach Bettina Hübschen-Leinenbach
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(Tages-Anzeiger)