Facebook-Affäre in Volketswil

Von Thomas Bacher . Aktualisiert am 20.03.2010
Weil er im Internet freizügige Bilder und Stammtischwitze veröffentlichte, wurde ein Volketswiler SVP-Schulpfleger aus seiner Partei ausgeschlossen. Die Behörde wollte das Gleiche tun, scheiterte aber vorerst.
Das Sozialnetzwerk Facebook wurde dem Schulpfleger zum Verhängnis. Bild: KEYSTONE/AP

«Lieber es Ränzli vom Frässe als es Buggeli vom Nodere», findet Werner Klee – und schreibt das auf Facebook. Der Schulpfleger ist ein reger Nutzer des Onlinenetzwerks. Doch die Art und Weise, wie er das tut, ist ihm jetzt zum Verhängnis geworden. Die Behörde will ihn wegen seiner Onlineaktivitäten ausschliessen. Seine Partei, die SVP, hat das bereits getan. Grund sind die Bilder und Sprüche, die er im Internet veröffentlichte: halbnackte Frauen in erotischen Posen und Stammtischwitze rund um Frauen und Ausländer.

«Alles harmlose Sachen, nichts Ungesetzliches», hält der Kindhauser fest. So habe er zum Beispiel sogenannte Applikationen mit freizügigem Inhalt an Facebook-Freunde verschickt. Oder das Bild eines Apfels, der «aufgrund einer Laune der Natur an die menschliche Anatomie erinnert», wie er sich in einem Leserbrief im «Volketswiler» ausdrückt. Effektiv handelt es sich dabei um einen Apfel, der aussieht wie eine weibliche Scham. Die meisten dieser Inhalte sind für alle User frei einsehbar. So stiess eines Tages auch eine Lehrerin auf Klees Account, informierte die Schulleitung, die dann an die Schulpflege gelangte.

Ausschluss kostet SVP viel Geld

«Diese Inhalte gehen mir persönlich zu weit», sagt Schulpflegepräsidentin Rosmarie Quadranti (BDP). Aus diesem Grund sei sie zum Handeln gezwungen gewesen – «zum Schutz der Schule, der Lehrerschaft und auch der Schülerinnen und Schüler», wie sie sagt. Quadranti rief die Schulpflege zu einer Sitzung zusammen, an der Klee Stellung beziehen konnte. Am Ende entschied die Behörde, dem Bezirksrat zu beantragen, den 62-Jährigen aus der Behörde auszuschliessen – und ihn bis zum Entscheid zu suspendieren. Was er auf Facebook verbreite, sei nicht mit der Arbeit für die Schule zu vereinbaren. Auch seien zum Beispiel Schulbesuche – gerade bei Lehrerinnen – nicht länger zumutbar, sagt Quadranti. Der Bezirksrat nahm den Antrag auf Amtsenthebung entgegen, verweigerte aber eine Suspension. «Der Entscheid ist sehr enttäuschend», sagt Quadranti. «Wir fühlen uns im Stich gelassen.»

Auch bei der SVP war man nicht begeistert von den Facebook-Aktivitäten des Schulpflegers. Erst versagte ihm die Partei die Unterstützung für die Wahl in die Schulbehörde am 25. April. Doch Klee hielt an einer Kandidatur fest, weshalb ihn die Mitgliederversammlung aus der Partei ausschloss – «einstimmig mit nur einer Enthaltung», wie Parteipräsident Stefan Mühlemann sagt. Der Entscheid kommt die SVP teuer zu stehen, denn Plakate und Wahlzeitungen waren schon gedruckt und werden nun ersetzt. «Als Behördenmitglied hat man eine Vorbildfunktion und muss gewisse Regeln einhalten, erst recht im Umfeld der Schule», sagt der SVP-Präsident. «Was Klee im Internet verbreitet, geht nicht, auch wenn es sich nicht um strafrechtlich relevante Inhalte handelt.»

«Reine Privatsache»

Klee sieht das ganz anders. Man habe in seinem Privatleben herumgeschnüffelt, moniert er. Was er auf Facebook mache, sei seine Privatsache und habe keinerlei negativen Einfluss auf die Schule. «Man kann mir doch keine Vorwürfe machen, nur weil jemandem meine Aktivitäten nicht passen», sagt er. Zudem schätzten ihn die Lehrerinnen, die er bisher in der Schule besucht habe. Dass ihn der Bezirksrat nicht suspendiert habe, wertet dann auch er als Beweis, dass es sich um Lappalien handle.

Selbst wenn die weitere Zusammenarbeit in der Behörde seiner Einschätzung nach «sicher nicht einfach» sein würde, kandidiert Klee für eine zweite Amtszeit – zwar ohne Partei im Rücken, aber mit voller Unterstützung seiner Frau. Dass ihn die Angelegenheit Stimmen kosten könnte, nimmt er hin. Er habe nichts zu verbergen. «Was ich mache und denke, muss nicht allen gefallen. Aber die Wähler haben das Recht, zu wissen, wer das ist, dessen Namen sie auf den Zettel schreiben.»

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(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.03.2010, 04:00 Uhr

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