Holt jetzt Weihnachten nach: Der Greenpeace-Aktivist Christian Schmutz berichtet von seiner Haft in Dänemark. Bild: WireImage Foto: Christoph Kaminski
«Als wir am Klimagipfel vor der Weltpresse standen und unser Transparent entrollen konnten, verspürte ich ein Erfolgsgefühl», sagte der Wetziker Greenpeace Kampagnenleiter Christian Schmutz am Freitag an einer Medienorientierung in Zürich. Nach dem Coup wurden er und drei weitere Aktivisten verhaftet. Wobei Schmutz, der als Bodyguard getarnt war, erst 20 Minuten nach den anderen in Polizeigewahrsam genommen wurde.
Für die Greenpeace-Leute war es relativ einfach, zum königlichen Bankett zu gelangen. «Wir reihten uns mit den drei gemieteten Limousinen vor der Zutrittskontrolle unter die Staatschefs ein», erzählt Schmutz, «die Sicherheitsleute liessen uns einfach passieren.» Offenbar hatten sie die Anweisung, die Kontrolle zügig abzuwickeln. «Als wir vor dem Palast ankamen, wurden wir begrüsst und angewiesen, die Treppe hochzugehen.» Und schon standen die vier Aktivisten vor der Weltpresse.
Briefe aus Indonesien
Was nachher folgte, war für Schmutz weniger erfreulich. Der 37-Jährige verbrachte die Festtage und den Jahreswechsel in Untersuchungshaft – insgesamt fast drei Wochen. «Normalerweise werden Greenpeace-Aktivisten nach 24 Stunden wieder freigelassen», sagt Kaspar Schuler, Ko-Geschäftsleiter von Greenpeace Schweiz. Ohne öffentlichen Druck hätte die Untersuchungshaft wohl noch länger gedauert, vermutet Schuler. Die spektakuläre Aktion sorgte für Schlagzeilen und für Sympathiebekundungen aus der ganzen Welt. 16 Kilo Post habe er in den drei Wochen erhalten, erzählt Schmutz. Allerdings erhielt er die Briefe erst nach seiner Entlassung. «Einer der Briefe kam aus Indonesien», so Schmutz.
Vergangenen Dienstag, nach fast drei Wochen Haft, durften ihn seine Partnerin und sein 2-jähriger Sohn erstmals besuchen. Einen Tag später wurde Schmutz freigelassen. Wie es mit dem Verfahren gegen ihn weitergeht, ist unklar. Laut Kaspar Schuler sei noch keine Anklage erhoben worden, und auch ein Gerichtstermin stehe noch nicht fest. Möglicherweise werde Schmutz wegen Hausfriedensbruch und Dokumentenfälschung angeklagt. «Strafverschärfend kommt hinzu, dass die Aktion im Königspalast stattfand», sagt Schuler.
Christian Schmutz möchte nach der langen Zeit im Gefängnis mit seiner Familie nun Weihnachten nachholen. Den Anzug übrigens, den er bei der Aktion getragen hat, gab er dem National Museum von Kopenhagen. Dort ist demnächst eine entsprechende Ausstellung geplant.
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(Tages-Anzeiger)