Küsnachts Ortsbild will nicht gefallen

Von Sandra Flückiger . Aktualisiert am 22.03.2010
Ein Rundgang durch den Küsnachter Dorfkern mit Alfred Egli, Präsident des Vereins für Ortsgeschichte, zeigt, dass die Küsnachter zahlreiche Verbesserungsmöglichkeiten für ihr Dorf sehen.

Es ist Sonntag – der andächtigste Morgen der Woche, wie Alfred Egli zur Begrüssung sagt. Gut 20 Personen haben sich auf dem Falkenplatz in Küsnacht versammelt, um mit Egli, dem Präsidenten des Vereins für Ortsgeschichte sowie auch des Verschönerungsvereins, einen Rundgang durch Küsnacht zu machen. «Das wird aber keine Führung», betont Egli, «sondern es geht darum, die eigenen Augen zu gebrauchen.» Normalerweise gehe man zielgerichtet durch das Dorf. «Heute lassen wir die Umgebung auf uns wirken. Wir müssen Küsnacht würdigen.»

Gewürdigt werden auf diesem Rundgang vor allem die alten Bauten, die neueren Gebäude ernten zumeist Kritik. So bezeichnet Egli das Coop-Gebäude mit dem Flachdach als «jämmerlich» und «nicht dörflich» und betont im Gegenzug die Wichtigkeit von Giebeldächern im Zentrum. Veranschaulichen kann er dies, als Ludwig A. Minelli, Gründer der Organisation Dignitas, die Gruppe auf die Dachterrasse des Minelli-Hauses am Falkenplatz einlädt. Weiter macht Egli während des ganzen Rundgangs – von der Seestrasse über den Falkenplatz zum Dorfplatz – immer wieder auf die vielen Parkplätze aufmerksam, die seiner Meinung nach besser unter den Boden verlegt würden.

Kontroverse Diskussionen

Die Teilnehmer des Rundgangs reden bei den verschiedenen Themen, die Egli aufwirft, jeweils aktiv mit. Oft stimmen sie mit dem Ortsgeschichte-Kundigen überein, doch wird manches auch kontrovers diskutiert. So wendet Gemeinderat Arnold Reithaar beispielsweise ein, dass Giebeldächer eine Frage des Geldes seien. Bezüglich der Parkplätze weist er auf die Bevölkerungszunahme hin und dass es schwierig sei, einen Konsens zu finden.

Weiter beschäftigen sich die Küsnachter mit den Grünanlagen des Dorfes. Gärtner Ueli Schmid erklärt, die Robinien an der Bahnhofstrasse seien die falschen Bäume, da sie zu stark zurückgeschnitten werden müssten. Ebenso kritisiert er, dass die kleinen Gärten entlang der Dorfstrasse mit exotischen Gewächsen zweckentfremdet würden. Demgegenüber begrüsst eine alteingesessene Küsnachterin die Vielfalt und meint, der Individualismus der Menschen widerspiegle sich in den Gärten. Grundsätzlich sind sich aber alle einig, dass die Pflanzen und Bäume eine «unschätzbare Bereicherung» sind.

An der Dorfstrasse kommt Egli auf den Rammbockeinbruch in das Juweliergeschäft in Nummer 17 zu sprechen, der sich im Januar ereignet hat. Dieser war der Auslöser dafür, über das Ortsbild nachzudenken, da die Besitzerin daraufhin ohne die Erlaubnis der Gemeinde, die um den Ortsbildschutz fürchtet, Betonelemente aufgestellt hat. Für Egli sind die grossen Mocken das kleinere Übel. Von den Teilnehmern kommt der Vorschlag, daraus Bänke zu machen, was nicht nur ansehnlicher, sondern auch praktisch wäre.

Ortsbild erhalten ist ein Luxus

Mit seinem zum ersten Mal durchgeführten Rundgang ist Egli durchwegs zufrieden, wie er sagt. «Ich wollte das Bewusstsein in den Leuten wecken und bin sehr angetan, wie sie mitgemacht haben.»

Arnold Reithaar, dem im Gemeinderat das Ressort Sicherheit untersteht, hat den Rundgang interessant mitverfolgt. «Die Erhaltung des Ortsbildes ist ein Luxus», sagt er, «aber dennoch ist sie sehr wichtig.»

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(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.03.2010, 04:00 Uhr

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