Müssen starken Beben gewachsen sein: Prime- und Mobimo-Tower (vorne). Bild: KEYSTONE/AP
Das Erdbeben vom vergangenen Samstagabend hat viele Zürcherinnen und Zürcher beunruhigt. Zusätzlich zu den 500 Anrufen bei der Kantons- und Stadtpolizei gingen mittlerweile auch rund 100 Schadensmeldungen ein. «Es hat sich angefühlt, als wäre ein Lastwagen in unser Haus gefahren», schildert ein Anwohner jenen Moment, als sich das Beben ereignete. Wieder andere erlebten es wie eine Explosion im Untergrund oder eine überaus starke Windböe, die das Haus durchrüttelte.
Neubauten können Beben der Stärke 6 standhalten
Doch selbst wenn einen in solchen Momenten die Angst packen sollte: Die Gefahr, dass ein Haus einstürzen könnte, ist gering. «Seit 20 Jahren existieren Normen, nach denen in Zürich die Gebäude erdbebensicher gemacht werden müssen», erklärt Werner Hofmann, Bauingenieur und Leiter Fachstelle Ingenieurwesen beim Hochbaudepartement der Stadt Zürich. «Neubauten werden nach den neusten Methoden bemessen und konstruiert. Sie können sogar einem Beben der Stärke 6,5 auf der Richterskala standhalten.»
Selbst bei Altbauten gelten diese Normen. «Werden sie instand gesetzt, prüft man sie gleichzeitig auch auf ihre Erdbebentüchtigkeit hin. Bei rund fünf Prozent der alten Häuser ist eine bauliche Anpassung notwendig», so Hofmann.
Die Hauseigentümer haben danach 20 Jahre Zeit, um ihr Gebäude erdbebensicher zu machen. «Das wurde vom Bund so vorgegeben, da die statischen Berechnungen und baulichen Massnahmen zum Teil sehr komplex sind», erklärt der Stadtingenieur weiter. Am Fundament müsse in der Regel nichts geändert werden. «Aber es kann sein, dass beispielsweise Holzdecken besser miteinander verbunden werden müssen, damit die Kräfte während eines Bebens besser abgeleitet werden können.»
Windkraft ist das grössere Problem
Zürich wird allerdings nur höchst selten von starken Erdbeben erschüttert. «Auf dem Gebiet der Stadt Zürich haben wir in den vergangenen 500 Jahren kaum Epizentren von namhaften Erdbeben festgestellt», so Hofmann, «zwei- bis dreimal gab es in diesem Zeitraum ein Beben der Stärke 3,5 mit Epizentrum in Zürich, was einer relativ leichten Erschütterung entspricht.» Ein Beben mit Stärke 6 habe demgegenüber ungefähr eine 900-mal grössere Intensität als eines der Stärke 4. «Die Erdbebeneinwirkungen auf die Gebäude sind daher in der Stadt Zürich nicht so gross wie die Windlasten», betont Hofmann.
Dies bestätigt auch Peter Lehmann, Chief Investment Officer der Swiss Prime Site AG, der Eigentümerin des Prime-Towers. «Die Herausforderung beim Bau eines Hochhauses ist nicht die Erdbebensicherheit, sondern das Abfedern der Windlasten. Vor allem auf der windabgewandten Seite kann es zu starken Wirbelbildungen kommen. Diesen muss das Hochhaus standhalten.»
Im Falle eines Erdbebens sei ein Hochhaus ohnehin das sicherste Gebäude überhaupt. «Tendenziell gilt: Je niedriger die Häuser, desto grösser ist die Zerstörung bei einem Beben», so Lehmann. «Ein Hochhaus kann sich bei einer Erschütterung wie ein Grashalm hin und her bewegen und so die Energien in einer Pendelbewegung ablenken. Deshalb kann ein Hochhaus bei einem Erdbeben praktisch nicht einstürzen.» Einzig im Innern können durch die starke Bewegung Schäden entstehen – «wenn beispielsweise Gegenstände oder Bilder herunterfallen. Auch Fensterscheiben können bersten.»
( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )
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