Die Wiedergeburt des legendären Aqui – mit Wasser aus der Töss

Von Jürg Schmid . Aktualisiert am 26.05.2009
Eine Effretiker Firma lanciert das ehemalige Stadtzürcher Mineral Aqui wieder in Flaschen. Nicht mehr mit Zürcher Quellwasser, sondern mit Tössgrundwasser der Stadt Winterthur.

Das Stadtzürcher Mineralwasser mit dem immer noch geläufigen Namen Aqui, vom Komiker Beat Schlatter erfunden und 1975 von der einstigen Brauerei Hürlimann lanciert, war weit über den Kanton hinaus bekannt und beliebt. 1996 kam das Aus für das «ureigene Zürcher Produkt» (Brauerei-Geschichte). Damals stellte die Traditionsfirma Hürlimann die Flaschenproduktion ein. Auf dem Areal sprudelt die Quelle nach wie vor, wo auch heute noch viele Leute aus Zürich und Umgebung das Mineralwasser aus 500 Meter Tiefe in Flaschen und Kanister abfüllen.

Jetzt gibts Aqui auch wieder in Flaschen. Die grösste Veränderung für traditionelle Aqui-Konsumenten: Das Wasser kommt nicht mehr aus dem Erdreich unter dem einstigen Brauerei-Areal im Zürcher Enge-Quartier, sondern aus dem Grundwasserstrom der Töss, den die Stadt Winterthur nutzt.

Originalquelle würde übernutzt

Ein wenig geändert hat auch das Logo. Geblieben ist die versteinerte Schnecke, der Ammonit. Aqui ist neu mit kleinem a und grossem Q geschrieben, und der Punkt auf dem i ist ein kleines Schweizerkreuz. Lanciert hat das neue «aQui» das Effretiker Kleinunternehmen Eurodrink. «Der Goodwill gegenüber Aqui ist immer noch gross», sagte Hans-Jürg Gehri, Inhaber und Geschäftsführer der Firma, am Montag vor den Medien. «In den besten Zeiten wurden pro Jahr 100'000 Hektoliter abgesetzt.» Das Stadtzürcher Wasser unter dem Brauerei-Areal kann Gehri nicht mehr abschöpfen. Mit dem Thermalbad, das dort gebaut wird, würde die Quelle bei erhöhtem Bezug übernutzt.

Gehri gab nicht auf. Er sicherte sich die Markenrechte sowie die Internet-Domain (www.aqui.ch) und klopfte bei verschiedenen Quellfassungen im Unterland und Oberland an. Schliesslich kam er auf das Trinkwasser der Stadt Winterthur, von dem mehr als genug vorhanden ist. Es besteht zu 97 Prozent aus Grundwasser aus dem Tösstal und zu drei Prozent aus Quellwasser. «Ich wollte unbedingt Wasser aus einer Zürcher Quelle. Das aus Winterthur ist hervorragend, den etablierten Mineralwassern ebenbürtig, eine Aufbereitung ist überflüssig», so Gehri. Es enthält pro Liter 101 Milligramm nützliche Bestandteile, vor allem Kalzium und Magnesium. Unerwünschte Bestandteile wie Uran oder Nitrat seien vernachlässigbar.

Bisher 250'000 Franken investiert

Beim Winterthurer Stadtwerk hat sich Gehri einen Bezug über zehn Jahre gesichert. Abgefüllt wird das neue Aqui vorläufig in Knutwil LU in Pet-Literflaschen, mit und ohne Kohlensäure sowie in Halbliter-Glasflaschen für die Gastronomie. Bereits abgefüllt sind 60'000 Liter. Gehris hochgestecktes Ziel: Er möchte pro Jahr zwei bis drei Millionen Liter verkaufen. Und er träumt von einer eigenen Produktionsstätte in Winterthur-Seen.

Die Firma Eurodrink hat in die Aqui-Wiedergeburt bisher 250'000 Franken investiert und mit Helvetas eine Partnerschaft vereinbart. Von jeder Flasche geht ein Rappen ans Projekt «Wasser für alle!».

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.05.2009, 22:00 Uhr

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