Seit letzter Woche ist Wettingen «der Stern an der Limmat». So lautet der neue Slogan der Gemeinde. Damit reiht sich Wettingen ein unter rund 50 Gemeinden in der Region Zürich, die sich einen eigenen Werbespruch zugelegt haben. Nimmt man die Losungen einmal genauer unter die Lupe, lassen sich diese locker in verschiedene Stilrichtungen ordnen. Was allerdings nicht heisst, dass sie auch Stil haben.
Wettingens Slogan gehört zur Gruppe der glamourösen, pompösen. Die waren offenbar eine Zeitlang im Trend. Nur so ist es zu erklären, dass es im Kanton Zürich nicht weniger als vier Schmuckstücke gibt: im Weinland eine goldene Traube (Truttikon), am Pfäffikersee eine Perle (Pfäffikon) und ein Kleinod (Seegräben) und im Säuliamt schliesslich ... nein, keine Perle, zum Glück, sondern ein Juwel: Rifferswil.
Gerne wird auch wortreich vorwärtsgestürmt. Opfikon «lebt und bewegt». In Wildberg gehts «gemeinsam in die Zukunft». Und Schlieren ist da, «wo Zürich Zukunft hat». Wissen das die Zürcher?
Daneben nehmen sich jene Sprüche, die an heimatliche Gefühle appellieren, geradezu bescheiden aus, aber auch ein bisschen beengt und sehr, sehr, nun ja, dörflich. Bachenbülach wirbt für sich als «äs l(i)ebenswerts Dorf», Hittnau will «ein Stück Heimat» sein. Höri wirbt mit «da ane g’höri». Heisst das etwa, dass man Höri hörig wird? Das wäre geradezu beklemmend.
Verlassen wir also lieber diese bodenständigen Gefilde und wagen ein paar Höhenflüge. Geistige, versteht sich. Für den Start eignet sich Mettmenstetten bestens, denn «Z’Mättmi hebsch ab». Auf dieser Flughöhe werden auch knappe Aussagen in ihrer ganzen Tiefe überblickbar. Etwa «Bonstetten lebt». Hoffentlich, kann man nur sagen.
Kommen Sie noch mit? Gut, denn jetzt wirds schwieriger: Goss(au.ch eine Stadt). Alles klar? Oder verstehen Sie «Elsau – sieben mal stark»? Auflösung: Elsau besteht aus sieben Weilern. Einer heisst Tolhusen, das sei nur so nebenbei bemerkt ... Regensdorf schliesslich kann einem fast leidtun mit dem Slogan «reges Dorf, rege Stadt». Offenbar hat die Stadt im Furttal eine akute Identitätskrise.
Regensdorf hätte sich auch so nennen können: «Die Stadt im Furttal.» Ist banal, zugegeben. Aber auch andere Gemeinden greifen auf die Geografie zurück. Blöd nur, dass die wenigsten bloss wegen ihrer Lage einzigartig sind, auch wenn sie das behaupten. Das klingt dann so: Dübendorf ist «die Stadt an der Glatt», Trüllikon «die Gemeinde im Zürcher Weinland» und Hagenbuch «das Dorf im Grünen».
Man kann auch kompromisslos ehrlich sein. Was aber Nachteile hat. Winkel wirbt beispielsweise mit «Drei Dörfer – eine Gemeinde», Fischenthal ebenso. Und Bubikon täte dasselbe, bestünde die Gemeinde aus drei Dörfern. Sie besteht aber nur aus zweien.
Meist sind solche geografischen Beschreibungen nett und harmlos. Ausser man hebt – wie Birmensdorf – hervor, dass man «auf der Sonnenseite» ist, ätsch! Obwohl, was können deren Einwohner dafür, dass andere auf der Schattenseite leben? Dasselbe gilt für Sternenberg, dem «Dorf an der Sonne». Ist es seine Schuld, dass andere unter der Nebeldecke darben?
Und zum Schluss sei der geneigten Leserschaft noch der Slogan aller Slogans verraten. Sozusagen die Quintessenz dessen, was eine Gemeinde ist. Weiningen hat ihn. Er heisst: «Eine von vielen... und trotzdem einzigartig.» Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.
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( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )