Den Drogen auf der Spur: Schäferhündin Stella sucht am Flughafen Zürich nach Rauschgift.
Geschmuggelte K.-o.-Tropfen waren für die Grenzwache eines der Hauptprobleme im letzten Jahr. Von der verbotenen Substanz haben die Fahnder in der Region Zürich, Thurgau und Schaffhausen ganze 200 Liter sichergestellt. Im Vorjahr waren es noch deren 4 gewesen. Die Droge wird – wie der Name schon sagt – oft dazu benutzt, Frauen sexuell auszubeuten oder sich Zugang zu Wohnungen zu verschaffen. Dazu reicht bereits eine Menge von 2,5 Millilitern der Flüssigkeit. Diese schmeckt kaum, was die Arbeit der Grenzwache erschwert.
Die Kontrolleure bekommen nun aber Hilfe von ihren Drogenhunden. Nach einem gezielten Training erschnüffeln die Tiere nun nicht nur Heroin, Kokain, Cannabis und Amphetamine, sondern auch die besagten Tropfen. Im Training wird dem Hund wiederholt ein kurzes Rohr mit dem Geschmack der Substanz an die Nase gehalten. Im darauffolgenden Spiel mit dem Rohr wird er dazu animiert, die Droge zu finden.
45 Prozent mehr Ware kontrolliert
Wie das Grenzwachtkorps 2 und das Zollinspektorat am Flughafen gestern an einer Medienkonferenz mitteilten, werden die Tropfen häufig auf dem Postweg eingeführt. Sie kommen in den meisten Fällen aus den Niederlanden oder aus Osteuropa. Viel Arbeit bereitete dem Zoll 2011 auch der motorisierte Grenzverkehr. Der starke Franken führte zu einer starken Zunahme der Abfertigungen.
2011 mussten gegenüber dem Vorjahr 45 Prozent mehr Waren überprüft werden, was dem Bund Einnahmen von 9,6 Millionen Franken bescherte. Am Zoll des Flughafens Zürich nahmen Ein- und Ausfuhr um 7 Prozent zu. Während der gut 10'000 Kontrollen deckten die Mitarbeitenden über 2100 Verstösse auf. Diese gute Quote führt Thomas Zehnder, Kommandant der Grenzwachtregion 2, auf die vielen Daten zurück, die heute bereits vor der Einreise und der Einfuhr von Waren vorliegen. Dadurch könnten Gepäck und Frachtsendung sehr gezielt überprüft werden.
Python im Kissenbezug
Die Grenzwächter nutzen zur Überprüfung auch ein Fahrzeug mit integrierter Röntgenanlage. Es kommt beim Ausgang des Frachtgebäudes und im Passagierverkehr zum Einsatz. Doch nicht immer ist der Inhalt auf dem Röntgenbild erkennbar. Erfahrung und das Auge des Zöllners entscheiden noch immer häufig, ob Schmuggelware an der Grenze hängen bleibt: sei es am Flughafen, auf internationalen Zugstrecken oder an den übrigen Zollübergängen.
Auf dem Intercity zwischen Singen und Zürich etwa entdeckten Grenzwächter im Rucksack eines Mannes eine Plastikbox. Darin versteckt lag eine gelbe Anakonda. In der Sporttasche des Mannes lagen unter schmutziger Wäsche zwei Kopfkissenbezüge – und in jedem ein kleiner Tigerpython. Am Flughafen stoppten Zöllner einen Passagier aus der Dominikanischen Republik. In sechs Kartons hatte er 160 Exemplare einer bedrohten Vogelspinnenart versteckt. Ein Grossteil der Tiere war bereits tot. Bei der anschliessenden Hausdurchsuchung wurden weitere 665 Vogelspinnen und 72 fleischfressende Hundertfüssler entdeckt.
Während einer mobilen Kontrolle in der Nähe von Rafz erwischten die Grenzwächter zwei Portugiesen. Ihr Fahrzeug hatten sie mit 100 Liter Wein und 90 Kilogramm Fleisch beladen. Wegen Verdunkelungsgefahr wurden die beiden zwischenzeitlich inhaftiert. Zudem wurde im Embracher Zollfreilager ein Oldtimer angeliefert. Deklarierter Wert: 48'500 Franken. Die Zöllner stellten fest, dass Teile fehlten und das Auto absichtlich beschmutzt wurde, um es günstiger wirken zu lassen. Effektiv wurde es für 171'000 Franken verkauft. Denselben Trick wandte der Käufer bei weiteren Fahrzeugen an. Er musste 64'000 Franken Zollgebühren nachzahlen. Foto: Sibylle Meier
( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )