Mindestens 40 Mütter konnten 2009 keine Hebamme finden: Doch vor allem in den ersten Wochen nach einer Geburt ist eine Mutter auf Unterstützung angewiesen. (Bild: TA) Bild: WireImage
Die Zürcher Hebammenzentrale und der Hebammenverband befürchten einen Engpass an freiberuflichen Hebammen in den Kantonen Zürich, Glarus und Schaffhausen. Grund dafür ist die Einführung der auf Fallpauschalen basierenden Entschädigung in Spitälern im Jahr 2012, schreibt die NZZ heute Montag.
Studien aus anderen Ländern belegen, dass die Hospitalisationsdauer der Mütter mit der Einführung der Fallpauschale deutlich verkürzt wird. Claudia Putscher-Ulrich, Co-Präsidentin Zürcher Sektion des Hebammenverbandes, geht von 2 bis 3 Tagen statt wie bisher 5 aus. «Damit steigt die Nachfrage nach einer ambulanten Nachbehandlung stark an. Dabei sind die freiberuflichen Hebammen jetzt schon am Limit.»
Die Wochenbettbetreuung, die bis zum 10. Tag nach der Geburt von der Krankenkasse übernommen wird, beginnt damit früher – und fällt gerade in den ersten Tagen besonders intensiv aus. Hinzu komme die wachsende Geburtenrate im Kanton Zürich, betont Putscher-Ulrich.
24 Stunden abrufbereit für wenig Lohn
Festangestellten Hebammen die freiberufliche Tätigkeit schmackhaft zu machen, ist nicht einfach: Die Arbeit setzt eine grosse Flexibilität und oft 24 Stunden Abrufbereitschaft voraus und der Lohn lässt zu wünschen übrig. Viele Hebammen würden daher eine Anstellung in einem Spital vorziehen, so Putscher-Ulrich.
Carolina Iglesias Elsner, Vorstandsmitglied der Hebammenzentrale Zürich, sieht ein weiteres Problem bei der Ausbildung der Hebammen. Die Anwärterinnen für diesen Berufszweig werden neu an der Fachhochschule ausgebildet – die ersten Absolventinnen können daher erst 2013 erwartet werden. Auf der anderen Seite erhalten die letzten Hebammen, die noch nach den früheren Bestimmungen ausgebildet werden, bereits im laufenden Jahr ihr Diplom. Dazwischen klafft eine Lücke. Schon jetzt kämpft die Zentral mit Engpässen: Im vergangenen Jahr konnten sie für 40 Frauen keine Hebamme finden. «Das ist uns noch nie passiert», sagt Iglesias Elsner gegenüber der NZZ.
Dienstplan und «Hebammen-Pool»
Um die Nachbetreuung der Frauen und Kinder auch nach 2012 gewährleisten zu können, brauche es gemäss Schätzung von Putscher-Ulrich gut doppelt so viele freiberufliche Hebammen wie heute. Bessere Organisationsformen seien deshalb dringend gefragt. Putscher-Ulrich stellt sich eine Art Pool vor, mit einem Dienstplan, in dem sich alle Hebammen je nach Verfügbarkeit eintragen könnten.
Mit einem Positionspapier will die Zürcher Sektion des Schweizerischen Hebammenverbandes zudem auf die drohenden Engpässe bei der ausserklinischen Wochenbettbetreuung aufmerksam machen. Darin fordern die Hebammen unter anderem den Kanton auf, die Auswirkungen des allgemeinen Trends zur kürzeren Hospitalisation und zur steigenden Nachfrage an Wochenbettbetreuung zu Hause zu analysieren und mögliche Massnahmen aufzuzeigen.
(tif)