Nirgends sonst im Kanton Zürich wird so heftig um Geld gestritten wie am Bezirksgericht Meilen. In den letzten vier Jahren lag die durchschnittliche Streitsumme bei Zivilprozessen bei rund 50 Millionen Franken pro Jahr – in Winterthur wird, zum Vergleich, jährlich «nur» um rund 18 Millionen gestritten, schreibt die «Zürichsee Zeitung» am Montag.
In den Gerichtsfällen geht es um Baurechts-, Erbteilungs-, Verantwortlichkeits- oder andere Forderungsprozesse. Und es kommt immer häufiger zu Kampfscheidungen. Während 2005 nur rund 30 Prozent der Scheidungsverfahren am Bezirksgericht Meilen strittig waren, sind es heute rund 45 Prozent. «Bei Scheidungsprozessen geht es an der Goldküste – nebst den Kinderbelangen – häufig auch um viel Geld», sagt Jürg Meier, Gerichtspräsident am Bezirksgericht Meilen.
Zusätzliche Richterstelle beantragt
Weil in den Zivilprozessen um überdurchschnittlich viel Geld gerungen wird, werden die Fälle komplexer und administrativ aufwendiger. «Rechtsschriften von mehr als 100 Seiten Länge sind keine Seltenheit», so Meier. Für die Streitenden spielt Geld keine grosse Rolle, deswegen schrecken sie auch vor hohen Gerichtskosten nicht zurück. Die Folge: Die Verfahren dauern länger, das Bezirksgericht kommt personell an seine Grenzen.
Das Bezirksgericht hat mittlerweile beim Obergericht ein Gesuch für eine zusätzliche Richterstelle eingereicht. Dieses hat die Anfrage an den Kantonsrat weitergereicht. Nächstes Jahr sollte der Entscheid dazu gefällt werden. Damit das Gericht zwischenzeitlich entlastet werden kann, wird in Meilen per 1. Dezember ein zusätzlicher Ersatzrichter aushelfen.
(tif)