Krach in der Kabine

Von Jvo Cukas . Aktualisiert am 14.02.2012
Das Kabinenpersonal der Swiss ist unzufrieden mit der Arbeit seiner Gewerkschaft. Jetzt plant es den Aufstand.
Wut und Enttäuschung bei den Flight-Attendants: Weihnachtspräsente der Swiss, welche zurückgegeben wurden.

Ein Brett für Edelschokolade statt Weihnachtsgeld – trotz hoher Gewinne der Swiss. Das brachte das Fass bei vielen Flugbegleitern der Airline im Dezember zum Überlaufen. Unzählige Überstunden, Löhne unter 4000 Franken für eine Vollzeitstelle, kein 13. Monatslohn: Das Kabinenpersonal fühlt sich alleingelassen. Aber nicht nur von seinem Arbeitgeber, sondern vor allem von seiner Gewerkschaft Kapers. In einer Facebook-Gruppe fordert es nun sämtliche Mitglieder zu Neuwahlen des Kapers-Vorstandes auf.

«Erst kürzlich musste ein Mitglied den Vorstand verlassen, das sich stets für unsere Belange eingesetzt hatte», erklärt Sabine Müller*, eine langjährige Flugbegleiterin. «Jetzt haben wir den Glauben verloren, dass Kapers wirklich unsere Interessen vertritt.» Zu lange habe man nun auf Veränderungen gewartet und sei immer wieder enttäuscht worden.

Keiner vertraut Kapers

Ähnlich klingt es auch in der Facebook-Gruppe «Quo vadis kapers?»: Eine Umfrage unter den Mitgliedern, wie man bezüglich der Gewerkschaft weiterfahren soll, beantworteten 151 von 161 damit, dass Neuwahlen des Kapers-Vorstandes die beste Lösung seien. Keiner, der sich an der Umfrage beteiligte, gab seine Stimme für «Kapers vertrauen» ab.

Andere Gruppenmitglieder gehen in ihren Kommentaren noch weiter. Sie fordern einen komplett neuen Vertreter ihrer Interessen. Mark Berger* hat den Glauben an Kapers gänzlich verloren: «Ich glaube einfach nicht, dass eine Gewerkschaft, die der Swiss gehört, jemals unsere Interessen gut vertreten wird.» Etwas Unabhängiges müsse her, fordert nicht nur Berger.

300 Unterschriften nötig

Doch die gut 150 Unzufriedenen reichen bei weitem nicht aus, um bei der Kapers Neuwahlen zu erzwingen. Mindestens zehn Prozent sämtlicher Gewerkschaftsmitglieder müssten ein diesbezügliches Begehren unterschreiben. «Es gibt rund 3000, etwa 300 Unterschriften müssten wir zusammenkriegen», erklärt Müller. Man sei guter Hoffnung, dass dies auch klappen werde.

An Abstimmungen der Kapers hätten bisher nie mehr als 20 Prozent der Mitglieder teilgenommen. «Allein die Facebook-Gruppe mit ihren 300 Mitgliedern könnte eine Neuwahl erzwingen.» Zudem verfügten viele ältere Flight-Attendants über kein Facebook-Profil, würden ihre Unterstützung aber in E-Mails äussern. Die Unterschriftensammlung für Neuwahlen soll diese Woche beginnen.

Kapers-Vorstand glaubt nicht an Neuwahlen

Georg Zimmermann, Geschäftsführer der Kapers, sieht auch, dass viele Flight Attendants zurzeit unzufrieden sind. «Ich begrüsse es, dass sich die Mitglieder kritisch äussern und unsere Arbeit auch hinterfragen.» Allerdings wehrt er sich gegen den Vorwurf, die Kapers sei untätig: «Wenn man sieht, was die Piloten nun ausgehandelt haben, so erzielten wir diese Zusagen schon vor drei Jahren.» Es sei denn auch nicht so, dass die Gewerkschaft nur kritisiert werde. Man erhalte auch viel positives Feedback.

Deshalb ist für Zimmermann auch fraglich, ob es tatsächlich zu Neuwahlen des Vorstandes kommt. Gleichzeitig warnt er jedoch davor: «Wir stehen vor der Entscheidung, ob wir den GAV mit der Swiss im April künden wollen.» Wenn es nun zu Neuwahlen komme, sei der Kapers-Vorstand bis mindestens im Sommer faktisch handlungsunfähig, weil das Prozedere und die Einarbeitung Zeit kosteten. Dies stärke was seine Verhandlungsposition nicht.

Man sei zurzeit daran, mit der Swiss zu diskutieren, welche Veränderungen es brauche, damit der GAV nicht gekündigt werden müsste. «Wenn ein Angebot der Swiss vorliegt, können unsere Mitglieder entscheiden, ob dies ausreicht oder nicht.» Dass das Kabinenpersonal jedoch zu einer anderen Gewerkschaft wechselt, glaubt Zimmermann nicht. Alleine schon wegen der viel höheren Mitgliederbeiträge: «Als wir 2010 die Beiträge leicht erhöhen wollten, um Reserven für mögliche Arbeitskämpfe zu haben, wurde dies abgelehnt.» Bei anderen Gewerkschaften lägen die Mitgliederbeiträge oft bis zu dreimal höher.

Übrigens: Das Schokobrett des Anstosses, welches die Wut der Flugbegleiter endgültig entfachte, kann jetzt öffentlich betrachtet werden. Das Zürcher Landesmuseum stellt das Weihnachtspräsent als «Objekt des Monats» aus.

*Namen geändert

( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )

Erstellt: 14.02.2012, 13:55 Uhr

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