Die Innerschweiz rückt näher an den Wirtschaftsraum Zürich. In Affoltern am Albis hat Bundesrat Moritz Leuenberger am Freitag das rund 18 Kilometer lange A4-Teilstück im Knonaueramt eröffnet. Er begrüsste es als «nachhaltigste Autobahn aller Zeiten».
Ab dem Wochenende dürften künftig täglich rund 50'000 Autos über die neue A4 brausen. Sie verbindet den Kanton Zug (3 Kilometer auf Zuger Gebiet) mit Zürich und schliesst eine wichtige Lücke im Nord- Süd-Strassenverkehr. Gleichzeitig ist sie die Fortsetzung der im Frühjahr eröffneten Westumfahrung mit dem neuen Üetlibergtunnel.
A4-Teilstück steht für sichereren und lärmfreieren Strassenbau
Mit ironischem Humor resumierte Leuenberger in seiner Eröffnungsrede die Entstehungsgeschichte: «Bereits heute, gerade einmal 50 Jahre nach den Planungen dürfen wir die A4 einweihen». Das lange Warten hat sich aber laut dem Verkehrsminister gelohnt: Das A4-Teilstück sei ein Musterbeispiel für den heutigen «sichereren, naturfreundlicheren und lärmfreieren Strassenbau».
So verläuft mit dem rund 5 Kilometer langen, aus Gründen des Landschaftsschutzes erstellten Islisbergtunnel ein guter Teil der Strecke unterirdisch. Dank der angepassten Linienführung sei die Bevölkerung heute wirkungsvoll vor Abgasen und Lärm geschützt.
1500 Franken pro Zentimeter
Der nachhaltigere Strassenbau hat aber seinen Preis, betonte Leuenberger: Die 27 Kilometer lange Westumfahrung mit der A4 bis zur Zuger Grenze kostete den Bund 4 Milliarden Franken, 1500 Franken pro Zentimeter.
Von der neuen Autobahn versprechen sich neben Knonauer-Gemeinden auch das Sihltal eine wesentliche Entlastung. Der Autobahnzubringer bei Affoltern am Albis bringt jedoch auch Mehrverkehr aus dem Kanton Aargau, und die flankierenden Massnahmen lassen auf sich warten, was am Montag im Zürcher Kantonsparlament auch heftig kritisiert wurde.
Zug und Zürich rücken näher
Freude am neuen Teilstück hat die Innerschweiz: So verkürzt sich die Fahrzeit von Luzern nach Zürich um rund ein Drittel auf 35 Minuten. Zug und Luzern erwarten von der neuen Nähe zum Metropolitanraum Zürich vor allem neue wirtschaftliche Chancen.
Anderseits wird im Üetlibergtunnel nach Zürich mit rund einem Drittel Mehrverkehr gerechnet - täglich 60'000 Fahrzeugen. Und auch der Druck auf die seit Jahren hoffnungslos überlastete Zürcher Nordumfahrung mit Gubrist nimmt laut den Verkehrsplanern mit täglich bis zu 15'000 zusätzlichen Fahrzeugen weiter zu.
Das neue Autobahnteilstück wird im Verlaufe des Freitagnachmittages für den Verkehr freigegeben. Der genaue Zeitpunkt wurde aus Sicherheitsgründen geheim gehalten.
(tif/sda)