Post-it-Aktivisten werden verzeigt

Von Maria Rodriguez . Aktualisiert am 23.11.2009
800 Post-it-Kleber mit der Aufschrift «chotzä, koksä, figgä, prüglä» wurden heute Morgen im Kanton Zürich verteilt. Der verantwortliche Jugendverein wird verzeigt und gebüsst.
topelement Überall dasselbe Post-it... Bild: Maria Rodriguez Mehr Bilder (7)

Billettautomaten, Pendlerzeitungen, Briefkasten der Post und Abfallkübel: Die Post-it-Kleber mit der Aufschrift «To do! chotzä, koksä, figgä, prüglä» waren am Morgen in grossen Teilen der Stadt und des Kantons Zürich zu sehen. Hinter der Kleberaktion steht der Jugendverein «klartegscht», der sich mit den provokativen Klebern gegen das schlechte Image der Jugendlichen in der Öffentlichkeit wehrt.

Doch nun werden die Organisatoren der provokativen Aktion angezeigt: «Die Verantwortlichen werden wegen Verteilung von Werbematerial auf öffentlichem Grund zuhanden des Stadtrichteramtes verzeigt», sagt Stadtpolizeisprecher René Ruf auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch. Sie dürften eine Busse in der Höhe von mehreren Hundert Franken bekommen.

Anzeige kommt nicht überraschend

Beim Verein «klartegscht» ist man gemäss Geschäftsleiterin Sandra Meier nicht überrascht, aber verwirrt: «Wir werben ja nicht für einen kommerziellen Anlass. Es geht uns um die sozialpolitische Diskussion von Jugendfragen. Zudem haben wir absichtlich eine Aktion gewählt, die weder Sachbeschädigung noch Abfallberge hinterlässt.» Man hoffe, dass die Kleber von den Passanten mitgenommen würden.

Dass zur Busse noch Kosten zur Abfallentsorgung kommen, ist ausgeschlossen. An der Aktion wurden 800 Post-it-Kleber auf dem ganzen Kantonsgebiet verteilt, 600 allein in der Stadt Zürich. Bei Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ) hat man die Post-it-Aktion zur Kenntnis genommen. Ein Mehraufwand entstünde deswegen nicht, erklärt ERZ-Sprecherin Stephanie Wyss: «Wir müssen keine speziellen Reinigungsequipen aufbieten. Unsere Mitarbeiter entsorgen die Post-it-Kleber bei der gewöhnlichen Reinigung.»

Ältere Generation zeigte wenig Verständnis

Abgesehen von der Verzeigung ist der Verein zufrieden mit der Aktion. Rund 80 Personen halfen bei der Verteilaktion mit: «Wir hatten sehr viele Reaktionen. Die Jugendlichen haben sofort begriffen, dass es um Vorurteile geht. Die ältere Generation zeigte wenig Verständnis. Ein Dialog war sehr schwierig», so Meier weiter.

Diskussionen erhofft sich Meier am Anlass vom kommenden Samstagabend im Zürcher Club X-TRA. Eingeladen sind sämtliche Generationen, sowie die Medien und Politiker. Bis jetzt habe man bereits SVP-Gemeinderat Mauro Tuena für den Event gewinnen können: «Auch wenn Mauro Tuena nicht unsere Ansichten vertritt, freuen wir uns auf den Dialog mit ihm. Er ist sehr engagiert.»

( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )

Erstellt: 23.11.2009, 12:07 Uhr

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