Rita Fuhrers Schicksal wird verfilmt

Von Edgar Schuler . Aktualisiert am 09.02.2010
Das Schweizer Fernsehen dreht einen Film über die erkrankte Zürcher Regierungsrätin. Die ersten Szenen sind bereits im Kasten.
Von der Kamera verfolgt: Volkswirtschaftsdirektorin Rita Fuhrer gestern im Kantonsrat. Sophie Stieger

Bei allem Respekt für die Macht und den Ruhm der Zürcher Regierungsmitglieder: Ein nationales Thema sind sie selten. Bei Rita Fuhrer ist das anders, sagt Tristan Brenn, der Redaktionsleiter der «Rundschau» im Schweizer Fernsehen: «Sie ist eine nationale Figur.» Und der Schicksalsschlag ihrer Krebserkrankung macht sie noch mehr zum Medienthema. Gestern hat Fernsehredaktorin Vanessa Nikisch die Dreharbeiten für ein Filmporträt der SVP-Politikerin aufgenommen. Nikisch geht der Frage nach, warum Fuhrer trotz Krebsdiagnose weiterregiert. «Warum sagt sie nicht: ‹Ich schaue jetzt zu mir›?», fragt die Filmautorin.

Ja: Warum schaut sie nicht zu sich? Oder zelebriert sie gar ihre Tapferkeit vor dem Schicksal, wenn sie trotz bösartigem Brustkrebs den Rücktritt bis Ende April hinauszögert? Das fragten sich manche, als Fuhrer Mitte Dezember bekannt gab, dass sie Chemotherapien und Bestrahlungen über sich ergehen lassen muss. Im Kantonsrat fällt das Urteil ziemlich eindeutig aus: «Ich hatte zunächst Zweifel, dass es gut für sie ist, wenn sie weitermacht», sagt CVP-Parlamentarier Willy Germann. «Nachträglich muss ich sagen: Es war richtig.» Fuhrer strahle Zuversicht, Kraft und Engagement aus. Germanns SP-Kollegin Erika Ziltener sagt: «Sie hält sich bewundernswert.»

Die Pflegefachfrau und Patienten-Lobbyistin versteht gut, dass Fuhrer nicht gleich zurücktreten, sondern sich den Schritt gut überlegen wollte. Thea Mauchle, auf den Rollstuhl angewiesene SP-Kantonsrätin, sagt, es gebe kein allgemeines Rezept, wie man sich nach einer solchen Diagnose verhalten soll. «Wenn es ihr hilft, dass sie sich im Regierungsamt von der Krankheit ablenken kann – warum nicht?» Als richtig bezeichnet auch die Grüne Esther Guyer, gelernte Pharma-Assistentin, Fuhrers Entscheid. «Es ist in dieser Situation zehnmal besser zu arbeiten, alles andere ist dummes Geschwafel.» FDP-Präsident Beat Walti macht nur eine Einschränkung: «Schade ist, dass Fuhrers gewählter Nachfolger Ernst Stocker jetzt nicht von Anfang an dabei sein kann, wenn die Regierung das neue Sparpaket aufgleist.» Und Fuhrer selber? Sie ist sichtbar dünner geworden, ihr Lächeln nach allen Seiten im Ratssaal scheint eine Spur gezwungener. Zu ihren Geschäften – Schwerverkehr, Arbeitsvermittlungszentren, Autobahneinfahrten – hält sie ihre vorbereiteten Voten gewohnt flüssig und engagiert. Im Gespräch gibt sie zu, dass sie die Grenzen ihrer Energiereserven spüre. «Ich besuche kaum noch Abendveranstaltungen», sagt sie, die früher an so vielen Delegiertenversammlungen und Schützenfesten anzutreffen war wie die sechs anderen Regierungsräte zusammengenommen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.02.2010, 07:49 Uhr

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