Verhindertes Bauprojekt: So soll der neue Hochschulcampus auf dem Zürcher Toni-Areal dereinst aussehen. PD
Seit August 2008 ist klar, dass auf dem Areal der ehemaligen Toni Molkerei der neue Campus der Zürcher Hochschulen entstehen soll – und seit diesem Zeitpunkt wird das Bauprojekt blockiert. Die Betreiber des Klubs Rohstofflager, die sich in den Räumlichkeiten auf dem Areal eingemietet haben, kämpfen mit Einsprachen gegen den Rauswurf und ziehen von Instanz zu Instanz. Seit wenigen Tagen sind zwei Verfahren beim Bundesgericht hängig.
«Das Ganze ist wirklich bitter. Durch die Verzögerungen entstehen vor allem finanzielle Einbussen», sagt Mattias Meier, Leiter Unternehmenskommunikation der Allreal-Gruppe, die das Toni-Areal besitzt. «Insgesamt belaufen sich die Mehrkosten bislang auf gegen vier Millionen Franken», so Meier.
«Wir bauen mit angezogener Handbremse weiter»
Zwar werde trotz der hängigen Verfahren weitergebaut, aber die Bauarbeiten können nicht so vorangetrieben werden wie ursprünglich geplant. «Die Abläufe werden durch den Baustopp im Bereich der Pfingstweidstrasse komplizierter. Wir bauen aber so weit wir können rund um das Rohstofflager herum – allerdings mit sehr stark angezogener Handbremse», erklärt Meier.
Bei der Allreal übt man sich in positivem Denken. «Nachdem die Schlichtungsstelle, das Mietgericht, das Zürcher Obergericht und das Kassationsgericht die Klage des Rohstofflagers vollumfänglich abgewiesen haben, hoffen wir natürlich, dass das Bundesgericht zum selben Urteil kommt. Einen Plan B gibt es aber nicht, wir müssen den Entscheid abwarten.» Wie lange die Verzögerung dauern wird, ist noch unklar. Ein Gerichtstermin steht noch nicht fest. Sicher ist, dass das Areal nicht wie geplant 2012 bezogen werden kann. «Voraussichtlich wird der Bezug um rund anderthalb Jahre verzögert», meint Meier.
Juristisches Hickhack schadet dem Image der Hochschulen
Die Bildungsdirektion des Kantons Zürich ist schon seit längerer Zeit vom Worst Case Szenario ausgegangen, dass der Hochschulcampus nicht vor Mitte 2013 bezogen werden kann. «Dem Kanton entstehen dadurch aber keine weiteren Kosten. Auch die Mietverträge mit den bisherigen Liegenschaften für die Hochschulen laufen weiter», versichert Wolfgang Annighöfer, Finanzchef der Zürcher Bildungsdirektion. Für den Finanzchef sind die Probleme rund um die blockierten Baupläne auf dem Toniareal anders gelagert. Das Image der Hochschule der Künste leidet unter dem juristischen Hickhack – ein klarer Wettbewerbsnachteil im internationalen Vergleich.
Ähnlich sieht es Heike Pohl, Kommunikationsbeauftragte der Zürcher Hochschule der Künste. «Für die internationale Positionierung als eine Top-Kunstausbildungsstätte wäre dieser Campus enorm wichtig. Deshalb wollen wir natürlich so rasch wie möglich einziehen.» Derzeit ist die Zürcher Hochschule der Künste auf 35 Standorte in Zürich verteilt. «Deshalb nimmt man uns noch nicht als Ganzes wahr», so Pohl. Sie gibt die Hoffnung nicht auf, dass die Betreiber des Rohstofflagers bald einlenken werden. «Die Idee eines Campus muss anfangen zu leben. Jetzt ist es noch immer so, dass ein Einzelinteresse dem übergeordneten Kollektivinteresse einer Kunsthochschule entgegensteht.»
( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )