Der kaum bekannte Pionier denkt überhaupt nicht ans Aufgeben: Aperto-Filiale in Zürich.
Im Geschäft mit eiligen Kunden an Tankstellen, Bahnhöfen und anderen guten Verkehrslagen geben Coop Pronto, Migrolino und Avec mit total bald 500 Filialen den Ton an. Den Pionier Aperto hingegen, der die langen Öffnungszeiten im Namen trägt und als Erster an Bahnhöfen präsent war, kennen viele nicht. In der Branche ist das anders: Da gilt die Kette, die zur Luzerner Alimentana gehört und aktuell 29 Läden betreibt, seit langem als Übernahmekandidat. «Tatsächlich habe ich regelmässig Kontakt mit allen grösseren Konkurrenten» sagt Geschäftsführer Andreas Hofer, der bis 2008 bei Marktführer Coop Pronto in leitender Stellung tätig war. «Doch die Alimentana steht nicht zum Verkauf. Sie strebt ein gesundes Wachstum an, aber nicht um jeden Preis.» Das sei das Credo der Luzerner Familie Hofer, welche die Gruppe besitzt, mit Geschäftsführer Hofer aber nicht verwandt ist.
Wenn der Standort im Detailhandel als entscheidendes Erfolgskriterium gilt, ist dies bei Convenience-Shops erst recht der Fall: Steht der Laden am falschen Ort, läuft gar nichts. Lange Zeit war das Kundenaufkommen nur an Bahnhöfen oder Tankstellen gross genug. Doch wie dies die Konkurrenz seit längerem praktiziert, zieht es nun auch Aperto an Innenstadtlagen: Ende März eröffnet Aperto eine Filiale an der Langstrasse, im früheren Striplokal St. Pauli.
Bald 31 Läden
Im Kampf um Standorte erlebt Hofer auch Rückschritte. An den Autobahnraststätten Bellinzona, Glarnerland und Kemptthal mussten seine Aperto-Shops einem Coop Pronto weichen – bis Ende Jahr wird das auch an der Raststätte Heidiland der Fall sein. Es ist die Folge einer losen Kooperation zwischen Coop und Mövenpick, die an den Autobahnen die Marché-Restaurants betreibt: Sobald ein Vertrag mit einem Shop ausläuft, kann laut Mövenpick-Sprecherin Nicole Weber Coop Pronto einziehen.
Um weiter zu wachsen, hat Aperto-Chef Hofer eine Kooperation mit einem Erdölkonzern ins Auge gefasst. Doch jene, die nicht schon bei der Konkurrenz im Boot sind, konkret Esso, BP und Avia, wollen ihre Shops unter eigenem Namen betreiben. «Schade», findet Hofer, «ihre Kernkompetenz sind ja die Treibstoffe, nicht das Geschäft mit Convenience.» Nun geht Aperto auf unabhängige Tankstellenbetreiber zu. Mitte Sommer eröffnet Geschäftsführer Hofer im Industriegebiet Gfenn in Volketswil einen ersten Shop aus einer solchen Kooperation. Mit einer Eröffnung am Bahnhof Brugg im Mai sind dann 31 Apertos offen.
Sofortkonsum als Schwerpunkt
Damit ist Hofer noch lange nicht bei den gegen 40 Läden, die er letzten Sommer noch als Ziel für Ende 2012 genannt hatte. Doch im Kampf um Standorte hat Aperto aufgrund des Konzepts oft gute Karten. «Zwar geht es da schon meist um Geld, aber eben nicht nur», sagt Hofer. Für die SBB etwa sei der Sortimentmix aller Läden in einem Bahnhof wichtig. Von der Konkurrenz unterscheidet sich Aperto durch einen grösseren Anteil an Produkten für den sofortigen Konsum. «Hörnli und Weissmehl finden Sie bei uns kaum noch», sagt Hofer.
(Tages-Anzeiger)
Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...