Aufhebung des Badeverbots in der Limmat wäre «blauäugig»

Von Tina Fassbind . Aktualisiert am 23.11.2009
Die Limmat soll bis zum Oberen Letten für Badende freigegeben werden. Das fordern die Jungen Grünen. Der Leiter der städtischen Badeanlagen warnt: «Das Gefahrenpotenzial wird immer wieder unterschätzt.»
Bis jetzt nur einmal im Jahr möglich: Limmatschwimmen. Nicola Pitaro

Noch verleitet die Limmat nicht zum Baden. Aber wenn die Temperaturen steigen, dann wird der Fluss wieder von Tausenden Schwimmern gestürmt. Die Jungen Grünen sind der Meinung, dass man den Badefreunden in Zürich mehr Möglichkeiten zur Abkühlung im Fluss bieten soll. Sie fordern daher in einem Bericht von «20 Minuten» eine Aufhebung des Badeverbots in der Limmat von der Zürcher City bis hin zum Oberen Letten. Mit einer Ausstiegsmöglichkeit für die Schwimmer beim Platzspitz und ein Sonnendeck auf der gegenüberliegenden Flussseite am Neumühlequai würden die überfüllten Letten-Badis entlastet, ist der Grüne Gemeinderat Matthias Probst überzeugt.

Bis zu fünf Rettungen pro Saison bei der Werdinsel

Hermann Schumacher, Abteilungsleiter Badeanlagen der Stadt Zürich, warnt vor der freien Nutzung der Limmat für Badende. «Die Strömung im Fluss und das damit verbundene «Gefahrenpotenzial wird immer wieder unterschätzt», betont er. Die Bademeister in den Städtischen Flussbädern hätten alljährlich alle Hände voll zu tun, die Schwimmer aus Notsituationen zu retten. «Alleine bei der Werdinsel finden pro Saison vier bis fünf Rettungen statt. Auch im Oberen Letten drückt es die Schwimmer bei starker Strömung immer wieder so heftig in den Flussrechen, dass wir sie befreien müssen.»

Auf dem oberen Flussabschnitt der Limmat komme zudem ein weiteres Problem hinzu: Der Schiffsverkehr. «Schon im Seebecken ist der Nutzungskonflikt zwischen Badenden und Bootsführern gross», betont Schumacher, «in der Limmat ist die Situation noch gefährlicher. Man kann dort nicht wie im See nach allen Seiten hin wegschwimmen. Im Fluss zieht die Strömung – da ist es sowohl für Badende als auch für Schiffe kaum möglich auszuweichen.»

Warnschilder reichen nicht

Matthias Probst sieht darin kein Problem. «In Basel zum Beispiel kommen Schwimmende und weit grössere Schiffe dank guter Signalisation problemlos aneinander vorbei», sagt er gegenüber «20 Minuten». Schumacher glaubt allerdings nicht daran, dass Warnschilder viel nützen. «Wir haben in unseren Anlagen überall Warnhinweise. Ein grosser Teil der Badegäste beachtet das nicht. Es wäre daher blauäugig zu glauben, dass man alleine mit einer Signalisation Badeunfälle verhindern könnte. Die Initianten müssen sich über dieses hohe Risiko im Klaren sein.»

( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )

Erstellt: 23.11.2009, 11:07 Uhr

Weitere Artikel Zuerich