Hafenkran: Zu frisch für die Altstadt?
Verlinkt ist die Facebook-Gruppe mit der Seite «hochseekran.ch», die von der FDP 1 initiiert worden ist, die sich aber als parteiübergreifende Onlineplattform zur Bekämpfung des «hässlichen Hochseekrans» versteht. Im Zentrum steht eine Petition, die den Stadtrat auffordert, auf die Kunstaktion zu verzichten. Begründung: Der Kran und das zugehörige Schiffshorn verunstalte das Limmatquai und stelle für die Anwohner eine unnötige, zusätzliche Belastung dar. Angesichts der Wirtschaftskrise und der Steuereinbussen würden solche «Luxusprojekte» quer in der Landschaft stehen. 200 Krankämpfer haben die Petition bis jetzt unterschrieben; wann sie eingereicht wird, ist offen.
Für die Autoren der Internetseite spricht nur schon der gesunde Menschenverstand gegen eine solche «Schnapsidee» – der gesunde Menschenverstand als Plausibilitätskontrolle ausserhalb der hochbezahlten Kulturkommissionen. Sie meinen auch, dass die von der Stadt gewünschte Diskussion über die Gestaltung des Limmatquais bereits stattgefunden habe – in der Empörung breiter Bevölkerungskreise und eben auf der Plattform «hochseekran.ch».
Immerhin kann dort das Tiefbauamt zu einigen Vorwürfen Stellung nehmen: Das Boulevardcafé Rathaus werde trotz Kran offen sein, die Kunstaktion sei vor der Finanzkrise entstanden, das Schiffshorn ertöne höchstens einmal pro Woche während fünf Sekunden, und Ziel sei, einen Kran aufzustellen, der ohnehin durch Europa transportiert werde und in Zürich nur einen Zwischenhalt mache.
Ganz ohne Befürworter ist der Kran im Internet nicht; zwei Facebook-Gruppen machen sich für ihn stark. Die Gruppe «Ja zum Hochseekran in der Zürcher Altstadt» zählt gegenwärtig 74 Mitglieder. Sie will all jene ansprechen, die Kunst nicht für unnötig, Veränderungen nicht für unzumutbar und überhaupt das Projekt für eine gute Idee halten.
Kran schön, Altstadt hässlich
Die zweite befürwortende Facebook-Gruppe zählt 168 Mitglieder und nennt sich in Anlehnung an die Gegner: «Wir wollen keine hässliche Altstadt um unseren schönen Hochseekran!». Ihre zentrale Aussage: «Auch wenn dafür 600'000 Franken an Zürcher Steuergeldern verbrannt werden, sagen wir dazu entschieden NEIN! Der Hochseekran hat etwas Besseres verdient.»
Das Projekt «Zürich-transit-maritim» stammt aus einem Kunstwettbewerb, mit dem die Stadt die Frage aufwerfen und klären will, ob das leere Plätzchen unterhalb des Rathaus-Cafés überbaut oder frei gelassen werden soll. Früher stand dort die Fleischhalle. Zum Kunstprojekt gehören neben dem Occasionskran im Jahr 2011 auch fünf Poller. Der erste wird im November aufgestellt, vier weitere folgen am Limmatquai 2010. Diese Hafenrelikte nehmen einerseits Bezug auf die Zeit vor 30 und 16 Millionen Jahren, als das Meer bis zum heutigen Zürich reichte; und sie sollen anderseits eine frische Brise der Weltoffenheit in die Stadt bringen.
Mehr Nachrichten und Hintergründe aus der Stadt Zürich gibt es täglich im Regionalbund des Tages-Anzeigers. Schreiben Sie direkt an stadt@tages-anzeiger.ch
(Tages-Anzeiger)