«Die meisten werden ihre Schulden bis an ihr Lebensende nicht mehr los»

Von Werner Schüepp . Aktualisiert am 18.03.2010
Die Zahl der Betreibungen hat 2009 um fünf Prozent zugenommen. Viele Schuldner sind weniger als 30 Jahre alt – und stecken bereits tief in der Schuldenfalle.

Die Zahl der Betreibungen hat im vergangenen Jahr in der Stadt leicht zugenommen, dabei haben die Betreibungsämter von der Wirtschaftskrise gar nicht viel gespürt. «Vielleicht kommt das noch mit Verzögerung», sagte Andreas Ott, Stadtammann im Kreis 1 und Präsident der Konferenz der Stadtammänner gestern vor den Medien. Die Zahlen seit Anfang Jahr bestätigen dies aber nicht, obwohl die Angaben von Krankenkassen und Steuerämtern noch fehlen. Die leichte Zunahme der Betreibungen (2008: 119'207, 2009: 125'426) von 6219 ist kein Vergleich mit dem Jahr 2005, das in den vergangenen zehn Jahren als Rekordjahr gilt (134'586).

Mit 21'131 wurden im Kreis 11 die meisten Betreibungen ausgestellt, gefolgt von den Kreisen 4 (17'588) und 9 (16'961). In den Kreisen 1 und 4 fällt das Verhältnis von Betreibungen zu zivilrechtlicher Bevölkerung besonders schlecht aus, wird doch hier jeder siebte betrieben. Besser sieht es in den Kreisen 6 und 7 aus und im Kreis 5 hat die Zahl der Betreibungen im Verhältnis zu den Personen sogar um 10 Prozent abgenommen. Knapp die Hälfte der 52'756 Pfändungen (2008: 49'803) waren ergebnislos. Insgesamt gingen den Gläubigern 71,4 Millionen Franken verloren.

«Hotel Mama» als Schuldenfalle

Die Zahl der Betreibungen hat in der Stadt seit 2000 um 18,9 Prozent zugenommen. Für Bruno Crestani, Stadtammann Kreis 4, gibt es in Zürich nach wie vor zu viele Menschen mit Schulden. «Trotz unseren Präventionsmassnahmen in Schulklassen und Berufsschulen stellen wir eine hohe Anzahl von Betreibungen bei den Jungen fest», sagte Crestani. Wer von zu Hause ausziehe, merke plötzlich, dass sich der Kühlschrank nicht allein fülle und die Krankenkassenprämie Ende Monat fällig sei. Besonders gefährdet ist die Altersklasse der 22- bis 31-Jährigen. Entsprechend schwierig ist es gemäss Stadtammann, aus der Schuldenfalle zu kommen. Crestani: «Die meisten schaffen es bis an ihr Lebensende nicht, ihre Schulden loszuwerden.»

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(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.03.2010, 04:00 Uhr

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