Eine First Lady der besonderen Art

Von Denise Marquard . Aktualisiert am 31.03.2009
Juliana Müller ist seit fünfzehn Jahren die Lebenspartnerin von Corine Mauch. An einer Musikschule für Frauen haben sie sich kennen gelernt.
Die Partnerin der Stadtpräsidentin: Musikerin Juliana Müller. Bild: WireImage

Corine Mauch macht kein Hehl daraus, dass sie nicht mit einem Mann, sondern mit einer Frau zusammenlebt. Deshalb hat Zürich nicht nur zum ersten Mal eine Stadtpräsidentin, sondern auch eine First Lady der besonderen Art. Sie heisst Juliana Müller, ist 50 Jahre alt, Musikerin und eine Frau, die weiss, was sie will. Für die Wahlfeier hat sie sich keine neuen Kleider gekauft. Sie denkt auch nicht daran, in die Hausfrauenrolle zu schlüpfen. Einst hat sie bei der aufmüpfigen Frauenszeneband Lilliput als Gast mitgerockt. Und sie wird weiterhin Musik mit Leib und Seele machen.

Ein Sabbatical zum Experimentieren

An die Rolle der First Lady muss sie sich erst noch gewöhnen. Doch kennt sie das Stadthaus viel besser als ihre Partnerin. Zwölf Jahre lang war sie in der Präsidialabteilung zuständig für den Bereich Jazz, Rock und Pop. «Ein Traumjob», sagt sie. «Ich lernte die Zürcher Szene in- und auswendig kennen. Doch zwölf Jahre sind genug. Ich will wissen, was das Leben sonst noch zu bieten hat.» Deshalb hat sie sich letzten Sommer ein Sabbatical zum Experimentieren verschrieben.

Auch Corine Mauch war einst Rockerin, spielte Bass bei The Hoovers und bei Trugschluss. Die beiden haben sich an einer Musikschule für Frauen kennen gelernt. Müller gibt zu verstehen, dass sie darüber nicht mehr sagen will.

Während es ihre Partnerin in die Politik zog, blieb Juliana Müller der Musik treu. Sie hat inzwischen das Akkordeon entdeckt – ein Stilbruch. Bisher hatte sie mehr mit elektronischen Tonerzeugern zu tun gehabt, mit Keyboards, Synthesizern und Samplern. Die spielte sie in der Rockband Unknownmix. Weitere Stationen waren das Plattengeschäft Upstairs und Radio DRS, wo sie als Musikdokumentalistin arbeitete. Was nun als First Lady auf sie zukommt, kümmert Juliana Müller nicht. Sie freut sich auf alles Neue. Und auf die bevorstehenden gemeinsamen Ferien.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.03.2009, 23:00 Uhr

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