Eine 18-jährige Frau ist am vergangenen Sonntagabend in Tram der Linie 8 unterwegs. Ein Unbekannter versucht ihr das Handy, mit dem die junge Frau Musik hört, zu entreissen. Es kommt zum Gerangel, das Opfer stürzt zu Boden. An der Haltestelle Hölderlinstrasse zerrt der Unbekannte die Frau aus dem Tram und verprügelt sie. Mit dem gestohlenen Handy macht er sich auf und davon.
Dass es sich nicht um einen Einzelfall handelt, zeigen frühere Vorfälle von Gewalt in öffentlichen Verkehrsmitteln. Ende Juni 2009 traktieren vier Jugendliche in einem 3er Tram verschiedene Passagiere mit Fusstritten und Schlägen. Und im Mai 2008 belästigen vier junge Frauen eine Studentin, als diese am Albisriederplatz aussteigt, schlagen sie sie spitalreif. Eine der Schlägerinnen, eine 22-jährige Italienerin, wurde bereits verurteilt.
Basel macht vor, Zürich zieht nach
Dass Videoüberwachung in Tram und Bus eine abschreckende Wirkung haben könnte, lässt sich nicht bestreiten. Was in Basler Trams seit Jahren Realität ist, soll in Zürich folgen. Am vergangenen 2. Oktober wurde der Zuschlag im Kantonalen Amtsblatt publiziert. Für 908'000 Franken erhält ein Zürcher Unternehmen den entsprechenden Auftrag. Für die VBZ bedeutet dieser Zuschlag grünes Licht; zu den bereits 18 mit Videoanlagen ausgerüsteten Bussen kann die VBZ nun 88 Cobra-Trams und 61 Gelenkbusse mit Videoanlagen ausrüsten: «Wenn kein Rekurs gegen den Zuschlag erfolgt, dann können wir bereits anfangs 2010 mit der Installation der zusätzlichen Anlagen beginnen», sagt VBZ-Sprecherin Daniela Tobler auf Anfrage.
Warum erhalten nur neue Trams eine Kamera?
Dass nicht alle öffentlichen Fahrzeuge flächendeckend mit Videokameras ausgestattet werden, hat damit zu tun, dass die Videoüberwachung bewilligungspflichtig ist. Erst nach einer strengen Prüfung des Gesuchs erteilt der ZVV die Bewilligung: «In erster Priorität werden Nachtbusse sowie neue Fahrzeuge mit einer grossen Fahrzeuglänge ausgerüstet, welche ein Überblicken durch das Fahrpersonal schwierig macht. Ob später auch ältere Fahrzeuge wie das Tram 2000 ausgerüstet werden, ist offen.»
Datenschutz ist wichtig
Wie bei jeder Installierung von Überwachungskameras stellt sich auch hier die Frage nach dem Missbrauch solcher Bilder. Gemäss Tobler erfolgt die Videoüberwachung in Tram und Bus in Absprache mit dem Datenschutz: «Wir dürfen die Aufzeichnungen nur im Rahmen eines konkreten Vorfalls wie beispielsweise Gewalt oder Vandalismus auswerten. Die Weitergabe erfolgt dann an die Polizei, Strafverfolgungsbehörden und Gerichte. Aufzeichnungen, die nicht ausgewertet werden, werden den Vorschriften entsprechend nach rund 72 Stunden automatisch gelöscht.»
Zürcher Unternehmer freut sich über Auftrag
Den Zuschlag für die Installierung der Kameras hat das Zürcher Familienunternehmen Bilexa AG erhalten: «Das ist für uns ein wichtiger Auftrag, wir haben lange darauf gewartet», freut sich Simon Altmann. Die Bilexa AG hat die VBZ schon 1987 als Kunde gewinnen können und stattete die Zürcher Busse mit Kontaktmatten aus. Diese dienen zur Sicherung automatischer Türen.
( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )