«Dann hat er auf mich eingeschlagen»

Von Christoph Landolt . Aktualisiert am 08.02.2010
Igor Zilincan musste als Videojournalist über die Krawalle berichten, als ihn Vermummte attackierten. Nun erzählt der TeleZüri-Reporter, wie er die Ausschreitungen erlebt hat.

Igor Zilincan war gerade an einer Geburtstagsparty, als er vom Chaotenzug durch Zürich hörte. Sofort packte der TeleZüri-Reporter seine Kamera und fuhr an den Stauffacher. Als erstes fielen dem Journalisten die vielen Menschen auf, die mit einer Bierdose in der Hand herumstanden. «Es war wie am 1. Mai. Man spürte die Gewalt in der Luft, die Atmosphäre knisterte vor Spannung.»

Aus der Gaffer-Menge beim Tamedia-Haus an der Werdstrasse löste sich ein Mann mit Kaputze und begann, die Gegensprechanlage mit einer Stange zu traktieren. Er habe versucht, sich ein Bild der Ereignisse zu machen, erinnert sich Zilincan. Dann habe er die Kamera eingeschaltet. «Sofort kam ein Vermummter auf mich zu, der gefragt hat, wen ich filme.» Der TeleZüri-Mann erwiderte, dass er über die Krawalle berichten müsse. «Dann hat er mich mit Fusstritten traktiert und mit den Fäusten auf mich eingeschlagen.» Ein anderer Chaot bedrohte den Journalisten, während er versuchte, sich mit der Kamera zu schützen und wegzurennen. «Sie haben versucht, mich von der Seite umzureissen.»

Gesundheit geht vor

Mit der Kamera in der Hand und der Tasche auf dem Rücken hatte Zilincan es schwer, den Angriff zu parieren. «Als Video-Journalist ist man sehr exponiert. Man sieht nicht, was von der Seite und was von hinten kommt», erklärt Zilincan. Deshalb habe er sich zurückgezogen und die Zerstörungswut der Chaoten aus der Ferne beobachtet. «Es ist mein Beruf, über das aktuelle Geschehen zu berichten. Aber die eigene Gesundheit geht vor.»

Welche Gruppierung am Anfang der Zerstörungen steht, kann Zilincan nicht beurteilen. Begonnen habe wohl alles mit einer Reclaim-the-Streets-Party. «Das hat sich dann aber mit der linksautonomen Szene vermischt. Und man konnte auch viele FCZ-Schals sehen.» Nachdem es der Polizei bei der Börse gelungen ist, den Zug der Zerstörung zu stoppen, marschierten die Chaoten zurück in die Langstrasse. «Um etwa 1 Uhr war alles zu Ende. Bei der Longstreet-Bar haben sich die Krawallmacher wieder unter das Ausgangspublikum gemischt.»

( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )

Erstellt: 08.02.2010, 11:55 Uhr

Stichworte

Weitere Artikel Zuerich