Randale nach Sportanlässen: Clubs kommen gratis davon

Von Simon Eppenberger. Aktualisiert am 29.10.2009
Nach den Krawallen nach dem Fussballspiel von gestern Abend könnte die Stadtpolizei den Clubs bis zu 250'000 Franken in Rechnung stellen. Doch weder der FCZ noch der FCB werden zur Kasse gebeten.
topelement Polizeieinsatz beim Bahnhof Altstetten im Mai: Die hohen Kosten tragen die Steuerzahler.
Nachdem sich der FC Zürich und der FC Basel 2:2 getrennt hatten, gingen Fans der beiden Clubs aufeinander los. In Altstetten blockierten sie den Zugsverkehr und verletzten einen Polizisten. Nur mit einem massiven Polizeieinsatz konnte Schlimmeres verhindert werden.

Seit dem 1. Juli können die Kosten für solche Einsätze – oft hunderttausende Franken – auf die Clubs abgewälzt werden. Das sieht das neue Polizeigesetz vor. Doch die Sportvereine kommen nach wie vor kostenlos davon. «Wir gehen davon aus, dass die Polizeieinsätze Anfang kommenden Jahres weiter verrechnet werden», sagt Reto Casanova, Sprecher des Städtischen Polizeidepartements auf Anfrage.

Kosten von bis zu 250'000 Franken

Noch laufen laut Casanova die Gespräche mit den Fussball- und Eishockeyclubs. Diskutiert wird auch, was die Clubs selber gegen die Gewalt aus den Reihen der Fans unternehmen. Je mehr die Sportvereine dafür tun, umso weniger müssen sie für die Polizeieinsätze berappen. Die Motivation der Clubs dürfte gross sein, denn laut Polizeivorsteherin Esther Maurer könnten den Vereinen pro Match bis zu 250'000 Franken verrechnet werden.

Wie hoch die Kosten für die jüngsten Ausschreitungen sind, lässt sich laut Stadtpolizei und SBB noch nicht beziffern. Fest steht, dass sich weder der FCZ noch der FCB daran beteiligen müssen.

Der SBB sind die Hände gebunden

Auch die SBB sieht wenig Möglichkeiten, die Kosten für die Verspätungen und Umleitungen weiter zu verrechnen. Laut SBB-Sprecher Roman Marti ist das Aufhalten des Verkehrs ein Offizialdelikt. Und bei Sachbeschädigungen wird Anzeige erstattet. Doch die Täter werden selten gefasst.

Anders als bei der Stadt Zürich fehlt der SBB die gesetzliche Grundlage, die Kosten auf die Clubs abzuwälzen. «Derzeit finden auf Bundesebene Gespräche statt, wie das in Zukunft gehandhabt wird», sagt Marti. Die SBB sitzt ebenfalls am Tisch. «Es ist wünschenswert, dass die Clubs in die Verantwortung genommen werden.» In welchem Rahmen sei jedoch offen, so Marti.

( Tagesanzeiger.ch/Newsnetz )

Erstellt: 29.10.2009, 10:08 Uhr

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