«Reclaim the streets»: Die lange Liste der Geschädigten

Von Christoph Landolt . Aktualisiert am 09.02.2010
Nach den Krawallen vom Samstag wischen die Ladenbesitzer die Scherben zusammen. Eine vorläufige Bilanz zeigt: Der gesamte Schaden dürfte eine Million übersteigen – und nicht immer bezahlt die Versicherung.
topelement Drei Tage nach den Krawallen sind die Ladenbesitzer mit Putzen beschäftigt. Mehr Bilder (9)

Mehrere hunderttausend Franken Schaden hätten die Krawalle gefordert, schätzte die Stadtpolizei am Tag danach. Auf Nachfrage bei einigen Gewerbetreibenden im Kreis 4 zeigt sich: Der Schaden dürfte eine Million Franken übertreffen. Tagesanzeiger.ch besuchte mehrere Geschädigte und erstellt hier vorläufige Schadensbilanz.

Ladenbesitzer und Angestellte, die mit Aufräumen beschäftig sind, staunen über das die sinnlose Aggression der Chaoten. Man wisse ja, dass der Kreis 4 nicht der friedlichste Ort der Schweiz sei, meint Mobilezone-Filialleiter Jens Keuch. «Aber das, das ist etwas Neues.» Dass so viele Menschen ohne jeglichen politischen Inhalt randalierten, habe er noch nie erlebt.

«Wir leben vom Schaufenster»

«Eine Schande für Zürich» sei es, dass an einem solchen Abend nur ein paar Polizisten zur Stelle gewesen seien, meint Christian Celik. Er hat die Bijouterie am Helvetiaplatz erst im letzten April übernommen. Dass die Chaoten seine Fenster eingeschlagen haben, ist für Celik «eine Katastrophe. Wir leben vom Schaufenster. Wenn keiner reinschaut, verkaufen wir keinen Schmuck, keine Uhren, nichts».

Für das Vorgehen der Behörden hat Celik wenig Verständnis: «Zürich ist eine Weltstadt. Und die Polizei kann nicht einmal 400 Spinner stoppen.» Er könne nicht verstehen, dass an einem solchen Abend nur ein paar Beamte zur Stelle seien. «Das ist eine Schande für Zürich.»

Was die Versicherer bezahlen

Nicht immer sind die Krawallschäden versichert. «Das kommt ganz drauf an», erklärt Stefan Turnherr, Versicherungsexperte beim VZ Vermögenszentrum. Wer eine Glasversicherung abgeschlossen habe, bezahlt die zerbrochene Scheibe grundsätzlich nicht selbst. Nicht gedeckt sind damit jedoch aufwändige Beschriftungen und Leuchtwerbungen. «Die muss man separat versichern lassen.»

Fast jedes Haus, das der Chaotenzug am Samstag passiert hat, ist mit Schmierereien und Sprayereien verunstaltet worden. Dafür lehnt die Gebäudeversicherung jegliche Haftung ab. Man könne solche Schäden aber bei privaten Gesellschaften versichern lassen, sagt Turnherr. Die Versicherer müssen solche Deals jedoch nicht eingehen, wenn sie das Risiko zu hoch einschätzen. «Möglich, dass das im Kreis 4 schwierig wird.»

( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )

Erstellt: 09.02.2010, 15:25 Uhr

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