Rohstofflager tanzt weiter – ohne Mietvertrag

Von Tina Fassbind . Aktualisiert am 15.01.2009
Auf dem Zürcher Toni-Areal fahren bald die Bagger für den Bau der neuen Kunsthochschule auf. Im Rohstofflager feiert man trotzdem munter Partys. Hinter den Kulissen wird allerdings hektisch nach neuen Lokalen gesucht.
Party-on: In den Räumlichkeiten des Rohstofflagers wird weiter gefeiert, obwohl der Mietvertrag gekündigt wurde. Bild: KEYSTONE/AP

Seit Ende 2008 steht definitiv fest: Der Campus für die Kunsthochschule kann auf dem Zürcher Toni-Areal gebaut werden. Der Kreditbeschluss des Kantonsrates ist rechtskräftig, Referenden wurden keine eingereicht (mehr dazu in der Infobox).

Für zwei Clubs, die auf dem Areal untergebracht sind, bedeutet dies das Ende. Die Tonimolkerei hat bereits in der Silvesternacht zur letzten Party gerufen. Seither sind die Pforten des Clubs geschlossen «und zwar für immer und ewig und bis in alle Ewigkeit und endgültig», wie es auf der Webseite heisst.

Ganz anders das Rohstofflager: Auf dem Programm des Clubs sind noch bis Ende März 2009 Veranstaltungen eingetragen. Haben die Betreiber eine Sonderbewilligung erhalten? «Nein, der Mietvertrag mit den Betreibern des Rohstofflagers wurde von der bisherigen Eigentümerin des Areals fristgerecht per 31. Dezember 2008 gekündigt», erklärt Matthias Meier, Leiter Unternehmenskommunikation Allreal-Gruppe, die das Toni-Areal seit Dezember 2008 besitzt.

Erstreckung des Mietvertrags blieb erfolglos

Die Clubbetreiber haben daraufhin vor der Schlichtungsbehörde eine Erstreckung des Mietvertrages um drei Jahre beantragt. Das Gesuch wurde allerdings per 9. Januar 2009 abgelehnt. Laut Schlichtungsbehörde sind die Voraussetzungen für eine Fristerstreckung nicht gegeben. «Nun läuft eine Rekursfrist von 30 Tagen. Wir wissen nicht, ob die Leute vom Rohstofflager den Entscheid vor das Mietgericht weiterziehen werden», so Meier. Eine schwierige Situation für die Eigentümer des Areals: «Es ist insofern ärgerlich, weil die Kunsthochschule ihren Betrieb bereits 2012 aufnehmen soll. Das alles behindert uns nun beim Start der Bauarbeiten.»

Gute Partylokale sind Mangelware in Zürich

Die Betreiber des Rohstofflagers wollten auf Anfrage keine Angaben über die Zukunft des Clubs machen. Gemäss gut unterrichteten Quellen werde allerdings bereits intensiv nach alternativen Standorten in der Stadt gesucht. Kein leichtes Unterfangen weiss auch Linus Geiges von der Toni Molkerei AG: «Wir haben nirgends ein passendes Lokal gefunden. Und ein gutes Konzept in schlechten Räumlichkeiten weiterzuziehen, dafür ist das Leben einfach zu kurz.»

Ob auch im Rohstofflager bald die Lichter ausgehen werden oder ob die Party an einem anderen Ort in der Stadt weitergeht, wird sich spätestens nach Ablauf der Rekursfrist zeigen.

( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )

Erstellt: 15.01.2009, 14:37 Uhr

Weitere Artikel Zuerich