Saubannerzug war gar keiner

Aktualisiert am 14.03.2010
Der Stadtrat musste sich wegen der SVP mit der «Krawallnacht» von Höngg befassen und kam zum Schluss: Alles halb so wild.

Wüste Szenen in Höngg: Studenten veranstalten in der Nacht vom 20. auf den 21. November 2009 einen «wahren Saubannerzug» vom Meierhofplatz zum Zwielplatz, lärmen und grölen dabei. Aufgeschreckte Anwohner alarmieren die Polizei, diese geht mit einem «grösseren Aufgebot» gegen die «Demonstration» vor. Resultat der «Krawallnacht»: Unmengen von «Dreck auf den Strassen, Scherben in den Vorgärten».

So jedenfalls beschreiben die Gemeinderäte Guido Bergmaier und Martin Bürlimann von der SVP die Vorkommnisse in besagter Nacht im November. In einer schriftlichen Anfrage wollten sie Ende Jahr vom Stadtrat wissen, was denn der Grund für das «unwürdige nächtliche Treiben» war und wie die Verursacher zur Rechenschaft gezogen wurden.

Polizei beendete WG-Party

Jetzt liegt die Antwort vor. Alles halb so wild, schreibt der Stadtrat. In der fraglichen Nacht habe keine Demonstration stattgefunden. Wahr sei, dass Bewohner einer Studenten-WG eine Party mit rund 60 Gästen veranstaltet haben – nichts Ungewöhnliches in Zürich.

Wegen Lärmklagen aus der Nachbarschaft rückte die Polizei aus und veranlasste einen der Gastgeber zum Ausschalten der Stereoanlage kurz vor dem Morgengrauen. «Daraufhin verliessen die Partygäste die Liegenschaft und entfernten sich in verschiedene Richtungen», heisst es weiter. Die müden Studenten warteten anschliessend an den Haltestellen Meierhofplatz und Zwielplatz etwa eine halbe Stunde auf das erste Tram, Lärmklagen gingen in dieser Zeit bei der Polizei keine mehr ein.

Anklage wegen Lärm

Der Organisator des Festes wurde wegen Übertretung von Art. 15 der Lärmschutzverordnung (Belästigung durch unzumutbaren lauten Gebrauch von Tonwiedergabegeräten im Inneren von Häusern während der Zeit von 22 bis 7 Uhr) gebüsst. Die Kosten für den Polizeieinsatz, so der Stadtrat, liessen sich mit vertretbarem Aufwand nicht mehr beziffern.

Eine Anfrage bei Entsorgung und Recycling Zürich brachte überdies folgendes zutage: «Keinen besonderen Reinigungseinsatz im angesprochenen Gebiet». Auf ihrer Kontrollfahrt am Samstag, 21. November 2009, entdeckten Mitarbeiter des ERZ um 10 Uhr lediglich einen aufgerissenen Abfallsack an der Ackersteinstrasse 110. Die Stelle wurde gereinigt und der Unrat entsorgt. Wer den Abfallsack dort deponiert hatte, ist der Stadt nicht bekannt

Guido Bergmaier wurde am 7. März wieder in den Gemeinderat gewählt. Martin Bürlimann schaffte es nicht.

(pa)

Erstellt: 15.03.2010, 04:00 Uhr

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